Regeln brechen


100 km/h auf allen niederländischen Autobahnen: Das nenne ich mutig. In Deutschland? Undenkbar. Zumindest noch. Von Diskussionen, wie um das Tempolimit, gibt es hunderte. Und man merkt allen Beteiligten an, wie schwer es ihnen fällt, zu akzeptieren, dass eine Wendezeit, in der wir zweifelsfrei leben, neue Regeln braucht. Wir müssen alte Regeln über Bord werfen. Aber das ist in unserem Land, dem es wirtschaftlich exzellent geht, echt mühsam. Endlich können wir uns Autos leisten, die locker 200 km/h fahren. Sogar SUVs gibt es auch für das kleine Portemonnaie. Und genau jetzt sollen wir verzichten? Und so ist es möglich, mit intelligenten Menschen über Umweltschutz zu sprechen, die anschließend mit 160 km/h zum nächsten Termin rasen. Immer noch werden stolz kurze Fahrzeiten über 500 km Entfernung ausgetauscht. Konsequenz ist Mangelware.

Wendezeiten verlangen viel von uns. Werte, die wir über lange Zeit für uns kreiert haben und an denen Familie und Gesellschaft mitgewirkt haben, sollen wir plötzlich hinterfragen und – schlimmer noch – durch neue ersetzen. Es gibt nichts Brutaleres, als sein Navigationssystem und sein Verhalten ändern zu müssen. Und das gilt auch schon für 25-jährige. So wie wir nationale Identitäten über hunderte von Jahren auch in Grenzregionen (ich lebe im Dreiländereck Deutschland-Niederlande-Belgien und weiß, worüber ich schreibe) über wenige Kilometer Entfernung beibehalten, so fällt es uns auch schwer, in unserem Mikrokosmos etwas Neues zu tun und zum Beispiel Regeln zu brechen.

Stimmt das eigentlich?

Wir brechen doch laufend alte Regeln! Die Krawatte haben wir abgeschafft, in Stellenausschreibungen und in der Werbung werde ich neuerdings geduzt, in Twitter können wir uns öffentlich gegenseitig beschimpfen und Rasenmähen geht auch am Sonntag. Also wir brechen doch Regeln.

Stimmt. Das Problem ist nur, dass wir am liebsten die Regeln brechen, die unserem persönlichen Nutzen dienen. Jeder schafft sich seine eigene Wertewelt. Der eine verteidigt leidenschaftlich die Freiheit im SUV mit 200 km/h über die Autobahn zu rasen, während der andere das Bahnfahren mit grünem Strom als Absolution feiert. Es geht heute immer schnell um uns selbst und nicht das Allgemeinwohl. Und genau das wird zum Problem werden.

Die Probleme Klimawandel, globalisiertes Wirtschaften oder Ressourcenengpässe sind Themen, die der einzelne nicht lösen kann. Und daher geht gerade so richtig viel schief. Jeder sitzt in seiner persönlichen Segeljolle und fährt in die Richtung, die er will. Jeder ist agil, jeder ist flexibel und jeder besitzt ein Kapitänspatent. Leider gibt es durch dieses Gewusel viele Zusammenstöße, an denen natürlich immer der andere Schuld ist.

Die Jollenkapitäne haben auch noch ein Problem. Da sie relativ niedrig sitzen, merken sie gar nicht, dass sie nicht im Meer mit unendlicher Freiheit, sondern in einem Schwimmbad im fünften Oberdeck eines Tankers segeln. Zur Verteidigung der Jollenkapitäne muss man aber auch sagen, dass die Jollen so niedrig sind, dass man den Rand des Schwimmbeckens nicht sehen kann. Und so segeln die Jollen munter herum, die große Richtung gibt aber der Tanker vor.

Tanker aber werden die Verlierer der Zukunft sein. Sie können nur sehr langsam wenden. Wenn Sie gewendet haben, ist leider so viel Zeit vergangen, dass sie erneut in die falsche Richtung fahren. Jollen hingegen sind zwar wendig, aber anfällig. Ein hoher Seegang reicht aus und das Boot läuft voll. Und bei zunehmenden Starkregenereignissen muss man kein Prophet sein, um Unwetter vorauszusagen.

Und jetzt?

Ich bin Fan der Flotte. Eine Flotte aus vielen größeren wendigen Schiffen mit vernetzten Kapitänen, die miteinander kommunizieren und sich auf ein Ziel ausgerichtet haben, erscheint mir die richtige Lösung zu sein. Diejenigen, die Regeln brechen, die möglichst vielen nützen, werden die Gewinner sein. Und zwar nur die. Wenn die Kapitäne es schaffen, das Wohl ihres Schiffes mit der der Flotte abzugleichen und sich intelligent zu vernetzen, dann gibt es Hoffnung. Alle anderen werden sich warm anziehen müssen. 

Und genau dieses Bild lässt sich auch auf moderne Arbeitswelten übertragen. Wer sein Business alleine und isoliert entwickelt, muss schon sehr stark sein oder eine geniale Idee haben, um erfolgreich zu sein. Diejenigen aber, die sich im Büro und weit darüber hinaus vernetzen, haben für ihre Zukunft gesorgt. Denn sie können im Kollektiv – und ich betone es immer wieder gerne – zum Nutzen ALLER Regeln brechen, soll heißen neue und innovative Geschäftsmodelle entwickeln.

Sie meinen, das wäre kompliziert? Ja, das sehe ich auch so. Arbeit an Menschen und einem Netzwerk kostet viel Zeit und viel Kraft. Aber entscheiden Sie selbst, wollen Sie nun in einer Jolle, auf einem Tanker oder in einer Flotte vorankommen?

Bernhard Frohn

"Mich begeistern nachhaltige Lösungen, die langfristig alle zu Gewinnern machen. Einseitiges Wirtschaften zum kurzfristigen Nutzen weniger wird uns auf die Füße fallen. Das ist kein politisches Statement von mir, sondern ich behaupte, dass nur mit konsequenter Nachhaltigkeit langfristig unsere sozialen und wirtschaftlichen Systeme stabil bleiben werden. Die zunehmende Instabilität unserer sozialen und wirtschaftlichen Systeme sind gerade gut zu beobachten. Kann mir jemand erklären, wie in einem der reichsten Länder der Welt, nämlich in Deutschland, die Kinderarmut steigen kann? Hier ist HANDELN angesagt, wie gesagt, zum Wohle Aller und mit dem Blick in die Zukunft!"

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