Fridays for Future – und jetzt?


Seit über 5 Jahren versuchen wir Bauherren von unserem BOB zu überzeugen. BOB ist das energieeffizienteste Bürogebäude Deutschlands und wahrscheinlich auch weit darüber hinaus und wurde vom Land NRW als Vorreiter für den Klimaschutz ausgezeichnet. Wenn Sie jetzt glauben, dass es weltweit schon 1000 BOBs gäbe, dann liegen Sie falsch. Und erst seitdem wir kapiert haben, dass wir BOB selbst als Bauherr bauen müssen, um ihn dann zu vermieten, geht bei uns die Post ab. Mieter mögen kleine Energie- und Nebenkosten.

Bürogebäude sind große Gebäude und könnten einen sehr großen Beitrag zum Klimaschutz beitragen, wenn sie denn effizient wären. Jahrelang haben wir daran geglaubt, dass doch Fakten bei den Bauherren zählen müssten. Heutige Neubau-Bürogebäude haben den 2-4 fachen (!) Energiebedarf eines BOBs, Bürogebäude im Bestand haben sogar den 10 fachen Bedarf. Das sind schlappe 1.000 %. Bauherren, die für mehrere Millionen Euro ein Bürogebäude bauen, sind gebildet und können Fakten differenziert betrachten. Das Problem sind aber die Mehrkosten des Klima schonenden Bauens, die ich allerdings als angebliche Mehrkosten bezeichne. Angeblich nenne ich diese Mehrkosten deshalb, weil es um eine hochwertigere Qualität und um ausgereiftere Konzepte geht, die eben im Lebenszyklus die Mehrkosten wieder einsparen. Für Vermieter ergibt sich sogar die Chance, im Rahmen einer identischen Warmmiete für den Mieter eine höhere Kaltmiete zu berechnen. Und auch im Fall des späteren Verkaufs des Bürogebäudes wird das moderne Konzept zu einem höheren Preis zu verkaufen sein. Daher gibt es KEIN ökonomisches Argument gegen das nachhaltige und Klima schonende Bauen.

Ich möchte jetzt hier aber gar keine Werbeshow für BOB machen und ich bin auch in keinster Weise frustriert. Wir werden mit BOB jetzt in der Rolle als Bauherr und Vermieter unseren Weg gehen und wir werden bundesweit und darüber hinaus die Meilensteine für energieeffizientes und Klima schonendes Bauen setzen.

Worauf ich hinweisen möchte, ist, dass der Ruf nach der Politik wie immer zu kurz gegriffen ist. Die Politik ist nur ein Spiegelbild von uns Verbrauchern. Hatten wir früher noch kantige Persönlichkeiten in der Politik, die ihren eigenen Weg gegangen sind, so spiegeln sich heute Politiker in dem glatten Meer der Meinungsumfragen. Und wir Verbraucher versagen eben auf ganzer Linie. Sobald etwas billig ist, springen wir auf den Zug auf. Dass dieses billige Einkaufen letztendlich zu den Billiglöhnen in direktem Bezug steht, fällt nur wenigen auf. Perverserweise schaufeln also diejenigen, die aufgrund von Billiglöhnen billig einkaufen MÜSSEN, ihr eigenes Grab. Das ist der Zynismus, den viele nicht in Worte fassen können, den sie aber instinktiv spüren und der sie wütend macht. Dies nur nebenbei.

Kommen wir zurück zum Klimaschutz. Billig ist auch hier einer der Totengräber, um bei dem martialischen Bild zu bleiben. Billig bedeutet in Zeiten der Globalisierung, dass dort eingekauft wird, wo die kleinsten Löhne existieren. Der Transport kostet ja nichts. Und billig bedeutet, dass Technologien zum Klimaschutz, die zu Beginn etwas mehr kosten und sich erst im Lebenszyklus rechnen, abgelehnt werden. Dieses Phänomen ist übrigens einfach zu erklären. Bei der Investition hat der Verbraucher die Entscheidungsmacht, bei den Folgekosten hat er sie nicht mehr. Produktanbieter, die jetzt billig anbieten, setzten also darauf, dass der Verbraucher nur über die Investitionskosten und nicht über die Folgekosten entscheidet. Und das tut er. Ist dann erst einmal das Produkt gekauft, hängt der Verbraucher an der Nadel. Und da man ungerne seine eigene Entscheidung anzweifelt, werden dann auch hohe Energiekosten und andere Folgekosten akzeptiert bzw. man redet sie sich schön oder noch besser, sie werden einfach vom Konto abgebucht und niemand schaut wirklich hin. Für den Klimaschutz wurde aber wieder einmal nichts getan und das für Jahrzehnte, denn Bürogebäude nutzt man sehr lange.

Liebe Schülerinnen und Schüler der Fridays for Future, geht weiter auf die Straße und selbst wenn einige von Euch, vielleicht nur blau machen wollen, ist das Zeichen, das Ihr setzt, dringend notwendig. Eure Botschaft sollte aber nicht nur an die Politik gerichtet sein. Politiker, die heute unbequeme Entscheidungen für den Klimaschutz treffen sollen, werden von der breiten Bevölkerung wieder abgewählt. Und ohne Macht ist ein Politiker eben machtlos. Was soll ein Politiker also tun? Daher solltet Ihr noch mehr den Wähler und den Verbraucher ansprechen. Ihr und wir alle, die wir Produkte kaufen und nutzen, sollten durch die Entscheidung für Klima-freundliche Produkte den Unternehmen zeigen, dass es sich lohnt, solche Produkte herzustellen. Dann, und – ich fürchte – nur dann, wird sich etwas ändern. Und dann, wenn die Verbraucher nicht nur Feigenblätter sondern echte Nachhaltigkeit fordern und bezahlen, wird auch die Politik sich darauf ausrichten können.

 

Bernhard Frohn

"Mich begeistern nachhaltige Lösungen, die langfristig alle zu Gewinnern machen. Einseitiges Wirtschaften zum kurzfristigen Nutzen weniger wird uns auf die Füße fallen. Das ist kein politisches Statement von mir, sondern ich behaupte, dass nur mit konsequenter Nachhaltigkeit langfristig unsere sozialen und wirtschaftlichen Systeme stabil bleiben werden. Die zunehmende Instabilität unserer sozialen und wirtschaftlichen Systeme sind gerade gut zu beobachten. Kann mir jemand erklären, wie in einem der reichsten Länder der Welt, nämlich in Deutschland, die Kinderarmut steigen kann? Hier ist HANDELN angesagt, wie gesagt, zum Wohle Aller und mit dem Blick in die Zukunft!"

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