Die innere Kündigung


Jeder Dritte hat sie schon ausgesprochen. Jeder Dritte? Das ist erschreckend oder? Und wenn Ihr Unternehmen jetzt nicht nur aus zwei Personen besteht, dann sitzen die innerlich Gekündigten auch bei Ihnen im Büro. Die innere Kündigung bedeutet, dass die Mitarbeiter zwar noch mitarbeiten, ihre Identifikation für das Unternehmen sich aber in Grenzen hält. Und das Schlimme ist, dass dies sowohl dem Unternehmen als auch Mitarbeiter oder Mitarbeiterin nicht wirklich nützt. Der Mitarbeiter fühlt sich unwohl und hat sich arrangiert, da sie/er entweder keine Chance für einen Wechsel sieht oder sich dazu nicht aufraffen kann. Und das Unternehmen geht von einem motivierten Mitarbeiter aus, bekommt im Zweifel aber eher Ausreden, die man meist nicht überprüfen kann, als Lösungen. Der Schaden ist für beide Seiten groß, sehr groß.

Ich würde sogar einschätzen, dass der Schaden für das Unternehmen kleiner als der für den Mitarbeiter ist. Während es für das Unternehmen hauptsächlich um Geld gehen wird, leidet der Mitarbeiter psychisch. Und da seine oder ihre Leistung sehr wahrscheinlich nachlassen wird, wird auch die Anerkennung immer weniger. Ich bin ja kein Fachmann, aber meine Vermutung ist, dass so manches psychische Problem am Arbeitsplatz hier beginnt und psychische Probleme lassen sich nicht so einfach wegwischen, wenn deren Ursache über Jahre nicht beseitigt wird. Da ist ein finanzieller Verlust eher kompensierbar.

Da ich oben ausgesprochen habe, dass der Mitarbeiter die innere Kündigung ausgesprochen hat, womit ich den Mitarbeiter zur aktiven Person gemacht habe, möchte ich dies schnell relativieren. Es gibt Umstände in Unternehmen, die lassen es manchmal gar nicht mehr zu, sich mit dem Unternehmen zu identifizieren. Was ich allerdings jedem Angestellten empfehlen würde ist, dann auch den Schritt der Trennung zu vollziehen, da die Schäden eben gigantisch sein können und jeden Tag erlebt man nur einmal in seinem Leben. Zeit wegzuschmeißen, ist unverantwortlich.

Gründe für innere Kündigungen gibt es viele. Wenn die Ziele des Unternehmens mit den eigenen nicht mehr übereinstimmen, wenn das Unternehmen vielleicht die eigenen Ziele selbst mit Füßen tritt oder wenn es auch persönliche Gründe aus dem privaten Umfeld gibt, dann ist sie schnell ausgesprochen die innere Kündigung. Sie herauszufinden, ist übrigens ein Leichtes, wenn, ja wenn wir uns noch gegenseitig zuhören wollen würden. Stellen Sie drei Fragen und Sie wissen von Ihrem Gegenüber, wenn dieser kein perfekter Schauspieler ist, was er oder sie von dem Unternehmen hält, in dem er oder sie arbeitet.

Apropos, wer ist eigentlich das Unternehmen? Wer legt eigentlich die Ziele des Unternehmens fest?

Da fällt einem sofort die Geschäftsführung ein. Die müssen doch die Ziele festlegen, das ist doch deren Job. Ja, wenn es so einfach wäre. Früher, als ALLE Geschäftsmodelle gesetzt waren und durch lang tradierte Traditionen entstanden sind, da war dies noch einfacher. Metzger, Architekt, Steuerberater, Rechtsanwalt: das sind klare Geschäftsmodelle, bei denen über Generationen hinweg ein klares Berufsbild entwickelt wurde. In diesem Umfeld Ziele zu entwickeln und dem Unternehmen eine Kultur mitzugeben, war einfacher. Schließlich wissen auch die Angestellten eines Steuerberatungsbüros, welches Aufgabenfeld sie erwarten wird. Heute ist dies aber anders, da sich die Geschäftsmodelle stark verändern. Hoteliers hätten sicherlich vor Jahren gedacht, dass der wesentliche Wettbewerber andere Hoteliers sein würden, dass aber ein paar junge Leute, die eine App geschrieben haben (Airbnb) zur Konkurrenz werden würden, ist eine nicht vorhergesagte Überraschung. Oder denken Sie an den Handel oder das Taxigewerbe oder die Banken oder…

Wenn man seinen Weg nicht kennt, dann ist die Reise also unbekannt. Und wenn die Reise unbekannt ist, dann sollte das Ziel umso deutlicher am Horizont sein, damit Ihnen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen mit Begeisterung auf dem geschlängelten Weg folgen können. Wer aber entwickelt das Ziel? Ideal wäre es, wenn das Ziel von allen oder zumindest von den Meinungsführern im Unternehmen mitentwickelt wird. Das führt automatisch dazu, dass es ein gemeinsames Verständnis gibt und dass die Identifikation leichter fällt, als wenn der Vorturner die Ziele einfach vorgibt. Der Prozess dorthin ist aber ein weiter. Schließlich gibt es unterschiedliche Erfahrungshintergründe, so dass nicht alle Mitarbeiter gleichermaßen in der Lage sind, Ziele und den Weg dorthin zu formulieren. In diesem Spannungsfeld muss das richtige Maß aus Mitbestimmung und dann doch Vorgaben des Managements gefunden werden. Vorgaben können allerdings auch so präsentiert werden, dass sie zur Diskussion gestellt werden. Wenn dann die Argumente des Managements gut sind, dann werden auch die Kollegen überzeugt sein.

Und so kann die innere Kündigung also vermieden werden?

Das wäre dann doch zu einfach und so ist es nicht. Ich würde nach meiner Erfahrung nur einschätzen wollen, dass die Anzahl der innerlich Gekündigten reduziert werden kann. Also auch ich werde im Unternehmen Menschen haben, die innerlich gekündigt haben oder nennen wir es vorsichtig (es geht ja um mein Unternehmen 😉 ) ein wenig abgerückt sind. Und irgendwie finde ich es auch nicht schlimm, dass sich nicht jeden Tag alle im Unternehmen der tanzenden Polonaise mit dem Unternehmensziel vorne in der Schlange anschließen. Wichtig ist nur, dass wir aufeinander aufpassen, denn wenn der Job zum Frust wird, dann läuft etwas falsch. Es geht schließlich um das höchste Gut, das wir besitzen, unsere (psychische) Gesundheit.

Bernhard Frohn

"Mich begeistern nachhaltige Lösungen, die langfristig alle zu Gewinnern machen. Einseitiges Wirtschaften zum kurzfristigen Nutzen weniger wird uns auf die Füße fallen. Das ist kein politisches Statement von mir, sondern ich behaupte, dass nur mit konsequenter Nachhaltigkeit langfristig unsere sozialen und wirtschaftlichen Systeme stabil bleiben werden. Die zunehmende Instabilität unserer sozialen und wirtschaftlichen Systeme sind gerade gut zu beobachten. Kann mir jemand erklären, wie in einem der reichsten Länder der Welt, nämlich in Deutschland, die Kinderarmut steigen kann? Hier ist HANDELN angesagt, wie gesagt, zum Wohle Aller und mit dem Blick in die Zukunft!"

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