Schwarmintelligenz oder doch Schwarmdummheit


Ich bin mir nicht mehr sicher, ob die Masse der Menschen weiß, was für sie gut ist. Das Beispiel Brexit ist eines der vielen Beispiele, bei denen die Masse über ein Thema abstimmt, das sie einfach nicht mehr durchschaut. Bevor jetzt jemand denkt, dass ich mich zu den Auserwählten zähle, die solche Themen verstehen, so möchte ich gleich abwinken. Viele Themen sind so verwoben und komplex geworden, dass ich mir Urteile nur noch in meinem Spezialgebiet zutraue. Und wenn Sie noch ein weiteres Beispiel hören wollen, dann ist es der Klimawandel. Der Schwarm geht ihm sehenden Auges entgegen und agiert nur halb- bis viertelherzig. Beworben wird in dem Zusammenhang viel, geliefert wird nur dann, wenn sich die Maßnahme mit wirtschaftlichem Erfolg verbinden lässt.

Nun behandelt dieser Blog ja keine politischen oder gesellschaftlichen Themen, aber spannend ist doch, darüber nachzudenken, wie sich unsere Zusammenarbeit im Büroalltag ändern sollte. Soll ich auf den Schwarm meiner Mitarbeiter oder meines Kooperationsnetzwerkes hören oder doch lieber nicht? Gerade im Bürobetrieb soll nach der Vorstellung vieler moderner Unternehmen die spitze Hierarchie des Managements abgeschafft und durch ein kybernetisches Tun des Teams abgelöst werden. Es gibt sogar schon Firmen, bei denen der Mitarbeiter über seine Arbeitszeit und sein Gehalt selbst bestimmt. Es gibt allerdings auch wieder Firmen, die sich nach erfolglosem Selbstversuch wieder dem alten Modell verschrieben haben, da die Selbstbestimmung schlicht nicht funktioniert hat. Was ist jetzt richtig?

Die Lösung liegt nach meiner Einschätzung in der gezielten Auswahl meines Schwarms. Ich muss ja nicht gleich alle fragen. Falsch wäre natürlich auch, wenn ich mir zu gezielt die Menschen heraussuche, die mir nach dem Mund reden. Auch dann erfahre ich wieder nichts, was ich nicht schon wüsste. Ich will einmal die Kriterien aufstellen, die für mich wichtig sind, um mir einen Schwarm aufzubauen, der mich weiterbringt:

  • Bei mir ist ein Kriterium für Menschen, die ich zu meinem Schwarm zählen möchte, dass sie sich eine eigene und differenzierte Meinung bilden.
  • Um das tun zu können, finde ich es toll, wenn sich die Menschen noch weiterbilden. Weiterbildung ist so leicht wie nie zuvor und doch verdammt kompliziert. Es gibt eine Vielzahl von Quellen, die aber eigentlich nur ihr eigenes Interesse befriedigen wollen, in dem sie die Einschaltquoten oder die verkauften Bücher zählen. Daher ist die Auswahl guter Quellen schon ein Teil der Weiterbildung. Im Angesicht der Weiterbildungsangebote finde ich die Weiterbildungsbereitschaft allerdings erschreckend gering, was meinen Schwarm schon deutlich kleiner macht.
  • Was ich weiterhin extrem wichtig finde ist, wenn es Menschen um die Sache und nicht um sie selbst geht. Nur von Menschen, die die Fähigkeit haben, Themen ohne eigene Eitelkeit und ohne eigene Überhöhung des eigenen Selbst zu behandeln, erfährt man wirklich etwas Neues. Abstraktion und Selbstreflexion ist mit solchen Menschen möglich. Ich möchte ja keine Vorurteile pflegen, aber Frauen sind häufig weniger eitel und sind eher in der Lage, die Sache in den Mittelpunkt zu stellen. Bei Männern geht es schnell um einen Wettkampf. Aber es gibt auch tolle Männer, zum Beispiel die in meinem Schwarm ;-).
  • Was ich abschließend auch noch schätze ist, wenn Menschen zuhören können. Zuhören schult ungemein. Zuhören heißt ja nicht Zustimmung zu dem Gehörten, sondern Zuhören bedeutet differenzierte Auseinandersetzung und das Hinterfragen der eigenen Ansicht mit den Argumenten des Anderen.

Mit diesen Kriterien gelingt es, einen Schwarm aufzubauen, der deutlich mehr als Stammtischparolen von sich gibt. Dieser Schwarm kann mir wirklich weiterhelfen und ist ein Spiegel und ein Filter für meine Ideen. So und wahrscheinlich nur so entsteht dann auch wieder Schwarmintelligenz, die mein Geschäftsmodell und mein Unternehmen wirklich nach vorne bringt.

Ich möchte es noch einmal betonen. Die Menschen sind nicht dümmer, sondern das Leben ist komplexer geworden und leider verweigern sich die meisten einer fundierten Beschäftigung mit den Themen. Man muss nur die 100 Fernsehkanäle durchzappen, die 24 h jeden Tag auf Sendung sind, dann weiß man, welche unglaubliche Verführungskraft an der Aufmerksamkeit der Menschen zerrt. Disziplin ist hier notwendig, um sich dieser Verdummungsmaschinerie zu entziehen.

Ich wünsche Ihnen also viel Spaß dabei, sich einen eigenen Schwarm aufzubauen, der dann wieder das Prädikat Schwarmintelligenz verdient und der Sie weiterbringt.

Bernhard Frohn

"Mich begeistern nachhaltige Lösungen, die langfristig alle zu Gewinnern machen. Einseitiges Wirtschaften zum kurzfristigen Nutzen weniger wird uns auf die Füße fallen. Das ist kein politisches Statement von mir, sondern ich behaupte, dass nur mit konsequenter Nachhaltigkeit langfristig unsere sozialen und wirtschaftlichen Systeme stabil bleiben werden. Die zunehmende Instabilität unserer sozialen und wirtschaftlichen Systeme sind gerade gut zu beobachten. Kann mir jemand erklären, wie in einem der reichsten Länder der Welt, nämlich in Deutschland, die Kinderarmut steigen kann? Hier ist HANDELN angesagt, wie gesagt, zum Wohle Aller und mit dem Blick in die Zukunft!"

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