Kostenexplosion und Nachhaltigkeit


Geld ist nichts mehr wert, zumindest für diejenigen, die es haben. Negativzinsen sorgen für die Flucht des Geldes von Sparkonten in Werte wie beispielsweise Immobilien. Wenn Geld also so günstig ist, dann gäbe es doch jetzt die Chance des Jahrhunderts, hochwertig und nachhaltig zu bauen – Pustekuchen!

Die Kosten steigen nämlich. Innerhalb von drei Jahren sind die Baukosten um deutlich mehr als 10 % gestiegen. Grundstückspreise verdoppeln sich einmal eben und die Planungskosten hängen an den sich vergrößernden Baukosten. Diese einfache Mechanik sorgt in der Konsequenz für steigende Mieten und dennoch sinkende Renditen für die Investoren. Investitionen in zukunftsweisende Bauweisen werden daher bestenfalls dort getätigt, wo sie der Vermarktung dienen. Die viel gepriesene Nachhaltigkeit bleibt damit meist nur an der sichtbaren Oberfläche. Dahinter tobt die Sparsamkeit, die aber leider kurz gedacht ist: Es ist allen bekannt, dass Gebäude mit geringwertiger Qualität sehr teuer im Lebenszyklus sind. Da die Projektentwickler aber wissen, dass ihnen aktuell eigentlich alles, was nach Immobilie aussieht, abgekauft wird, gibt es keinen Handlungsbedarf für besseres Bauen. Hauptsache die Investoren entkommen dem Negativzins, was ein verständlicher Wunsch ist.

Als das Geld noch teuer war, war nachhaltiges Bauen zu teuer, jetzt ist das Ergebnis für die Nachhaltigkeit wieder identisch. In dieser Woche haben wir ein BOB-Projekt vor einem Gestaltungsbeirat einer Kommune vorgestellt. Unsere Absicht, die Fassade nicht aus Kunststoff, sondern aus einem wertigen, natürlichen Material zu realisieren, war schon Anlass genug, unseren Entwurf zu feiern. Das freut uns einerseits, andererseits zeigt das, auf welch miesem Niveau gerade Immobilien gebaut werden. Allen ist klar, dass dieser Schuss nach hinten losgehen wird. Immobilien haben ja die dumme Eigenschaft, ziemlich lange herumzustehen und eben teuer zu sein. Schlechte oder falsche Systementscheidungen haben aber Auswirkungen von einem halben Jahrhundert Dauer und mehr und zerstören den geschaffenen Wert schneller, als es sich der Investor wünscht.

Was könnte diesen Trend stoppen?

Es ist wie immer und somit ganz einfach: Die Gesetze des Marktes streben nach Optimierung. Anbieter loten aus, wie sie mit den geringstmöglichen Mitteln die Kundenwünsche erfüllen können. Ist das verwerflich? Natürlich nicht. Ein Unternehmen muss Gewinne erzielen, schlechte Zeiten wollen ja schließlich auch bewältigt werden. Das Wort Kundenwünsche ist der Schlüssel zum Erfolg. Wenn die Kunden konsequent nachhaltiges Bauen und zukunftsweisende Qualitäten fordern, dann werden die Anbieter diese liefern müssen. Wenn also wertiges Bauen als solches erkannt und belohnt wird, dann springen alle Projektentwickler auf den Zug auf.

Der „Verbraucher“ weiß leider nicht, welche Macht er hat, da er sich als einzelner immer verloren fühlt. Das Internet gibt ihm allerdings die einfache Möglichkeit, Meinungen zu äußern und Bewegungen anzustoßen oder mitzugestalten. Man muss es nur tun.

Am Beispiel des Themas Digitalisierung kann man derzeit gut erkennen, wie ein offensichtlicher Kundenwunsch nach (vermeintlich) smarten Funktionen alle Projektentwickler dazu treibt, auf diesen Zug aufzuspringen. Ich bin mir dabei zwar sicher, dass die Anbieter noch gar nicht verstanden haben, wie Digitalisierung wirklich  eingesetzt werden sollte, aber das sollte besser ein eigener Blogbeitrag werden. Aber die entscheidende Erkenntnis aus Verbrauchersicht ist: Was hier mit dem Thema Digitalisierung funktioniert, funktioniert auch mit Nachhaltigkeit.

Also liebe Mieter, liebe Investoren, liebe Banker, liebe Nutzer, liebe Menschen in den Kommunen: Fordern Sie Nachhaltigkeit von den Projektentwicklern! Machen Sie sich schlau, wie man erkennen kann, ob bei einem Bürogebäude an Zukunft gedacht wurde oder ob es nur um Show geht. Es gibt Know-how ohne Ende und das meist nur einen Klick von Ihnen entfernt.

Bernhard Frohn

"Mich begeistern nachhaltige Lösungen, die langfristig alle zu Gewinnern machen. Einseitiges Wirtschaften zum kurzfristigen Nutzen weniger wird uns auf die Füße fallen. Das ist kein politisches Statement von mir, sondern ich behaupte, dass nur mit konsequenter Nachhaltigkeit langfristig unsere sozialen und wirtschaftlichen Systeme stabil bleiben werden. Die zunehmende Instabilität unserer sozialen und wirtschaftlichen Systeme sind gerade gut zu beobachten. Kann mir jemand erklären, wie in einem der reichsten Länder der Welt, nämlich in Deutschland, die Kinderarmut steigen kann? Hier ist HANDELN angesagt, wie gesagt, zum Wohle Aller und mit dem Blick in die Zukunft!"

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