Personal


Früher da war ja bekanntlich alles besser. Da konnte man Personal einstellen, schlecht bezahlen, beleidigen und dennoch blieben alle, bis man ihnen gekündigt hatte. Da hatte man die volle Kontrolle. Heute stellen die Ansprüche. Und das seltsame ist, dass die auch noch Ansprüche stellen, die man gar nicht versteht. Ein fetter Firmenwagen zieht nicht mehr. Wie konnten Moral und Sitte soweit verfallen?

Und was jetzt? Wenn man nicht dem eigenen Unternehmen kündigen möchte, dann muss man sich wohl oder übel den Gegebenheiten stellen und sein Geschäftsmodell und das Wie des Geschäftsmodells darauf umstellen, dass gutes Personal auf Dauer der Engpass schlechthin sein wird. Welche Lösungen gibt es hier? Ich sehe im wesentlichen folgende Wege:

  1. Erhöhung der Attraktivität des Arbeitsplatzes in Form von Gehalt, Freizeit, Flexibilität, Sinn der Arbeit, attraktiver Arbeitsplatz (natürlich in einem BOB),  Grillfest usw.
  2. Digitalisierung = Prozessoptimierung
  3. Spezialisierung = Vereinfachung

Die erste Lösung funktioniert. Allerdings muss Ihr Produkt eine erhöhte Marge abwerfen, um die Attraktivität auch wirklich zu erhöhen. Teilweise funktioniert dies in einem sich selbst beschleunigenden kybernetischen Kreis: höhere Attraktivität für den Mitarbeiter bewirkt eine höherer Produktivität, diese bewirkt einen höheren Unternehmensgewinn und dadurch kann die Attraktivität des Arbeitsplatzes für den Mitarbeiter durch bessere Randbedingungen gesteigert werden. Aber dieser Kreislauf ist endlich und nicht in allen Branchen möglich. Wenn Sie im Bereich Logistik Ware von A nach B transportieren und eine Fülle an Wettbewerben haben, die über den kleinen Preis an Aufträge kommen, dann ist dies nicht so einfach. Innovative Unternehmen hingegen, die sehr stark von der Innovationskraft ihrer Mitarbeiter profitieren, tun sich hier leichter. Aber nicht jedes innovative Unternehmen ist full-time innovativ, auch diese Unternehmen haben Abwicklungsaufgaben. Und genau hier greift die Lösung 2.

Die Lösung 2 also die Prozessoptimierung zum Beispiel durch Digitalisierung ermöglicht es, deutlich weniger Mitarbeitern spürbar produktiver zu werden. Das bedeutet im Umkehrschluss natürlich, dass Arbeitsplätze abgebaut werden. Das ist richtig und ich teile die Befürchtung, dass am Ende von Digitalisierung und Roboterisierung wir sehr viele Berufe vor allem diejenigen mit niederer Qualifikation verloren haben werden. Eine Debatte zu diesem umfangreichen Thema kann ich hier nicht führen, ich möchte nur soviel dazu schreiben: Ja, es werden Jobs verschwinden, die Produktivität für unseren Wohlstand allerdings wird durch Software und Roboter nicht geringer. Es wird uns also wirtschaftlich gut gehen (können, sofern wir lernen umzuverteilen) wir müssen dann nur neue Arbeit für uns finden. Vielleicht fokussieren wir uns dann auf die Tätigkeiten, die wir als Menschen besonders gut können und zwar auf Jobs rund um das Thema Menschlichkeit. Bedarf ist hier ohne Ende vorhanden!

Zurück zur Prozessoptimierung. Es gibt noch einen zweiten Grund, warum wir unsere Prozesse besser planen müssen und das ist das Thema Komplexität, das ich hier schon oft angesprochen habe. Wenn früher ein Bürogebäude gebaut wurde, dann hat ein Architekt das Gebäude entworfen, der Tragwerksplaner hat die Statik berechnet und die Heizkörper kamen vor die Fenster. Heute gibt es die Experten für Energieeffizienz, Geothermie, Brandschutz, Schallschutz, Bauphysik, Nachhaltigkeit, Simulation, MSR, Raumakustik, Gesundheit, Baubiologie usw. Was für die Baubranche gilt, gilt natürlich auch für andere Branchen, genau gesagt für alle Branchen.

Vor kurzem lernte ich im Rahmen eines BOB-Bauvorhabens ein interessantes Unternehmen kennen. Vor mir saß ein Rechtsanwalt, sie kennen diese Spezies. Dieser Anwalt sprach allerdings von Spezialisierung (Weg 3) und von Produktivität. Er schwärmte von Algorithmen und der Skalierung seines Geschäftsmodells. Durch die Spezialisierung gelingt es ihm, die Aufgabe zu vereinfachen, so dass er mehr Mitarbeiter findet, die dies leisten können und gleichzeitig hat sein Wettbewerb keine Chance mehr gegen seine Qualität und gegen seinen Preis. Er macht sich über jeden Schritt seines Personals genau Gedanken und organisiert alles so, dass sein Personal (er hat auch Mühe neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu finden) effizient arbeiten kann. Am Ende des Gesprächs war mir klar, dass einige Rechtsanwaltskanzleien in einigen Jahren nicht mehr existieren werden, da die Prozessoptimierung und Spezialisierung auch diese Branche erfassen wird.

In diesem Sinne, bleiben Sie nett zu Personal und Kollegen, es könnte um die Zukunft Ihres Unternehmens gehen.

Bernhard Frohn

"Mich begeistern nachhaltige Lösungen, die langfristig alle zu Gewinnern machen. Einseitiges Wirtschaften zum kurzfristigen Nutzen weniger wird uns auf die Füße fallen. Das ist kein politisches Statement von mir, sondern ich behaupte, dass nur mit konsequenter Nachhaltigkeit langfristig unsere sozialen und wirtschaftlichen Systeme stabil bleiben werden. Die zunehmende Instabilität unserer sozialen und wirtschaftlichen Systeme sind gerade gut zu beobachten. Kann mir jemand erklären, wie in einem der reichsten Länder der Welt, nämlich in Deutschland, die Kinderarmut steigen kann? Hier ist HANDELN angesagt, wie gesagt, zum Wohle Aller und mit dem Blick in die Zukunft!"

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