Ein Schreibtisch mitten auf der Kreuzung


Das Auto hat einen hohen Stellenwert bei uns, einen sehr hohen. Entsprechend sind die Skandale auch groß, sehr groß. Dieselskandal, Feinstaub, falsche Verbrauchsangaben: Da gibt es einiges aufzuregen und anzuklagen. Ich will das auch gar nicht klein reden, aber was wir bei Gebäuden, wie zum Beispiel Bürogebäuden, alles hinnehmen, ist tatsächlich eine Potenz heftiger. Es interessiert aber leider nur wenige, obwohl sehr viele Menschen etliche Tausend Stunden in einem Bürogebäude verbringen. Wollen Sie zwei Kostproben? Na, dann schnallen Sie sich an, es geht los.

In Bürogebäuden in alten und teilweise auch neuen gibt es sehr viele Schadstoffe, die heimlich ihr Unwesen treiben dürfen. Feinstaub wird zum Beispiel durch den Toner von Druckern erzeugt. Herkömmliche Heizungen mit hohen Temperaturen verwirbeln dann den Staub wunderbar im Raum. Mit feinen Staubpartikeln werden auch so angenehme Stoffe wie der Kot der Hausstaubmilbe transportiert. Appetitlich! Um die Gesundheit des Menschen nicht zu gefährden, soll die Feinstaubbelastung an 35 Tagen pro Jahr 50 µg pro Kubikmeter Luft nicht überschreiten, so sagt es eine EU-Richtlinie. Schon vor über zehn Jahren wurde eine Studie vom Deutschen Allergie- und Asthmabund angefertigt. Über 100 Innenräume wurde messtechnisch aufwendig untersucht. Und jetzt kommt der Hammer. Bei Bodenbelägen mit Fliesen, Parkett oder Laminat, also nicht Staub bindenden Belägen, wurde eine regelmäßige Überschreitung des zugelassenen Grenzwertes erreicht. Regelmäßig bedeutete, dass nur dann, wenn nicht täglich feucht gewischt wurde, die Feinstaubbelastung zu hoch war, also die 50 µg pro Kubikmeter Raumluft überschritten waren. Während also im Straßenverkehr im Talkessel in Stuttgart Fahrverbote ausgesprochen werden, um die 35 Tage pro Jahr nicht zu überschreiten, haben Sie im Büro schon Ende Februar die 35 Tage locker für das aktuelle Jahr in der Tasche, als stünde Ihr Schreibtisch mitten auf der schlimmsten Kreuzung Deutschlands, zumindest was die Feinstaubbelastung anbetrifft. Und wer regt sich auf? Es ist eben alles eine Frage der Lautstärke, mit der Themen präsentiert werden.

Kommen wir zum zweiten Thema. Jeder PKW verfügt ja über einen Bordcomputer und so können Sie regelmäßig beobachten, dass Ihr PKW locker 30 – 40 % mehr verbraucht, als in der Produktbeschreibung zu lesen war. Tatsächlich handelt es sich um auf dem Prüfstand gemessene Werte. Um einen objektiven Vergleich zu erlauben, wurde ein Normzyklus definiert. Warum dieser so unrealistisch ist, bleibt das Geheimnis der PKW-Branche. Zumindest fußen die Angaben aber schon einmal auf Messwerten. Und wie ist es in Gebäuden, wie zum Beispiel Bürogebäuden? So gut wie kein Bürogebäude hat einen Bordcomputer. Die Energiebedarfe für Heizung und elektrische Energie werden mit zwei Zählern abgelesen. Zwar hat jeder Mieter seine eigene Abrechnung, beim Strom weiß aber niemand, welche Energie denn nun für Beleuchtung, Lüftung, Kühlung, EDV oder Kühlschrank aufgewendet wurde. Das ist eine erstaunliche Ignoranz, wenn man bedenkt, dass Gebäude in Summe deutlich mehr Energie als PKWs verbrauchen. Ja gut, aber wir haben doch die Energieeinsparverordnung, wird so mancher denken. Das stimmt. Das Problem ist nur, dass die Verordnung, die uns das Energiesparen lehren soll, ein reines Rechenverfahren ist. Auch hier gibt es zwar Nutzungstypen, die dem Normzyklus beim PKW nahe kommen, aber im Unterschied zum PKW, bei dem auf dem Prüfstand noch gemessen wird, wird bei Gebäuden einfach nicht nachgemessen. Überrascht es da, dass wir bei unserer Reihenuntersuchung per Messung bei unterschiedlichen Gebäudetypen Abweichungen von der Energieeinsparverordnung von 300 – 400 % nachgemessen haben? Nein, das darf nicht überraschen. Überraschend ist hingegen, dass sich die Öffentlichkeit bei PKWs wegen 30 – 40 % Abweichung aufregt, während bei Gebäuden das 10-fache noch nicht einmal bemerkt wird. Und gerne betone ich es nochmals, der Energiebedarf von Gebäuden ist in Summe größer als der von PKWs.

Was machen wir jetzt mit diesen Fakten? Leiten Sie diese Information am besten einfach weiter, da nur so auch das Thema Gebäudequalität endlich einmal den Stellenwert erhält, den es zum Erhalt unserer Gesundheit oder zur Vermeidung des Klimawandels dringend haben sollte oder wollen Sie Ihren Schreibtisch demnächst auf einer Kreuzung aufbauen? Wie gesagt, das kann im Sinne der Feinstaubbelastung gesünder als in Ihrem Büro sein.

 

P.S.:

Zum Thema Feinstaub im Büro will ich natürlich noch Lösungen anbieten, das Thema Energieeffizienz haben wir mit BOB ja schon konsequent gelöst. Um die Feinstaubbelastung im Büro aus Laserdruckern zu mindern, sollten diese Drucker in mechanisch be- und entlüfteten Räumen stehen. Die reine Fensterlüftung funktioniert über das Jahr gesehen nicht stabil. Laserdrucker sollten zudem in zentralen Räumen und nicht in Büros platziert werden. Und schließlich helfen auch Teppichböden als Schlingenware Feinstaub zu binden, der dann natürlich noch per Staubsauger mit hochwertigem Filter (z.B. HEPA) entfernt werden muss. Billige Staubsauger, die die Luft quasi ungefiltert wieder in den Raum verteilen, bringen natürlich nichts.

 

Bernhard Frohn

"Mich begeistern nachhaltige Lösungen, die langfristig alle zu Gewinnern machen. Einseitiges Wirtschaften zum kurzfristigen Nutzen weniger wird uns auf die Füße fallen. Das ist kein politisches Statement von mir, sondern ich behaupte, dass nur mit konsequenter Nachhaltigkeit langfristig unsere sozialen und wirtschaftlichen Systeme stabil bleiben werden. Die zunehmende Instabilität unserer sozialen und wirtschaftlichen Systeme sind gerade gut zu beobachten. Kann mir jemand erklären, wie in einem der reichsten Länder der Welt, nämlich in Deutschland, die Kinderarmut steigen kann? Hier ist HANDELN angesagt, wie gesagt, zum Wohle Aller und mit dem Blick in die Zukunft!"

2 Antworten auf „Ein Schreibtisch mitten auf der Kreuzung

  1. und ganz ähnlich verhält es sich im kraftfahrzeug.
    haben sie mal daran gedacht dass das kfz – innere ebenfalls ein arbeitsplatz für viele ist ?
    darinnen sammelt sich in hoher konzentration
    ein fürchterliches gemisch vielerlei luftschadstoffe wovon feinstaub nur ein teil ist .
    ein geradezu tödlicher cocktail aus NOx,CO2,
    allerlei VOC’s,russpartikeln und manchesmal
    auch die krankmachenden emissionen der
    personen also allerlei keime verschiedenster art .
    was die installierten filter im kfz filtern können ist
    nur ein eng begrenztes spectrum sämtlicher
    anfallenden luftschadstoffe amtliche messungen gibt es für kfz-innenräume nicht die schätzungen
    der im kfz-innenraum tatsächlich vorkommenden
    konzentrationen sind unglaublich hoch.
    die berufskraftfahrer aber auch wir alle solange wir im kfz sitzen sind betroffene .

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