Vorsicht! Smart Building!


Da sich bisher in der Baubranche kaum einer mit dem optimalen Betrieb eines Bürogebäudes auseinandersetzt, gibt es ein noch unbekanntes Problem, dem ich hiermit einmal, seiner Bedeutung angemessen, Raum geben möchte. Das Problem, um das es geht, ist gigantisch groß und wird die Gebäudeeigentümer gerade von größeren und komplexeren Bürogebäuden in Zukunft Nerven und Millionen kosten. Also fangen wir an:

Moderne Bauherren haben von Digitalisierung und auch von smarten Gebäuden gehört und wollen verständlicherweise ein solches Bürogebäude realisieren. Jede Firma aus der Technikbranche, die auf Zukunft ausgerichtet ist, bietet smarte Lösungen an, es wimmelt von Anbietern. Alleine an Kommunikationsprotokollen gibt es bei der Gebäudeleittechnik einen kleinen Zoo. KNX wird in Zukunft der Standard schlechthin werden, sagen die einen, BACnet ist besser, sagen die anderen. EIB baut heute niemand mehr, ach ja stimmt: EIB ist ja heute KNX. Auch LON ist auf dem absteigenden Ast, sagen wieder andere. Ich könnte noch ein wenig über Dali, Profibus und andere Standards weitererzählen, aber wahrscheinlich können sie mit den Abkürzungen so viel anfangen wie mit dem Morsealphabet. Ihr Anbieter aus der Technischen Gebäudeausrüstung (TGA) hat jetzt seine Vorlieben (Erfahrungen) und wird diese wärmstens empfehlen. Da den TGAler niemand versteht und da niemand seine Ausführungen beurteilen kann, wird also gebaut, was der TGAler sagt.

Nun ist ein Bürogebäude eines der Güter, bei dem die Entscheidungen über Jahrzehnte hinweg Gültigkeit haben sollten. Einen zehn Jahre alten PC werden Sie zum Beispiel gar nicht mehr besitzen, in einem Bürogebäude soll der zentrale Rechner und die gesamte Peripherie aber 20 Jahre halten oder wollen Sie in zehn Jahren alles erneuern? Es geht aber im Gegensatz zu dem Kauf eines Notebooks, Smartphones oder PKWs um sehr teure und weitreichende Entscheidungen. Wenn Sie sich auf Empfehlung des TGAlers also zum Beispiel für KNX entschieden haben, dann sollten Sie wissen, was Sie gerade entschieden haben. KNX, um bei diesem Beispiel zu bleiben, ist weit verbreitet, also ist das Risiko doch überschaubar, oder? Ich bin noch nicht fertig, um diese Frage zu beantworten.

KNX ist ja nur das Protokoll also die Sprache, in der Ihre Geräte miteinander kommunizieren. Jetzt kommen noch die diversen Produktanbieter und Ihr Vertragspartner für die Ausführung hinzu. Die Produktlieferanten müssen zum einen dafür sorgen, dass deren Geräte mit dem ausgewählten Protokoll zurechtkommen. Ist das nicht der Fall, sorgen Gateways für die Übersetzung von der einen auf die andere Seite. Diese Gateways werden von Hand konfiguriert. Ihr Vertragspartner hat zum anderen jetzt noch eine Software mit einer „super einfachen“ Oberfläche entwickelt und passt diese auch noch an Ihr Gebäude und Ihre Wünsche an. Jetzt wird durch diverse Algorithmen aus einem dummen Bürogebäude ein smartes.

Merken Sie etwas?

Sie geraten in Abhängigkeiten, in große Abhängigkeiten. Was ist eigentlich, wenn es den Mitarbeiter, der das vernetzte oder besser gesagt verstrickte System für Sie entwickelt hat, nicht mehr gibt, wenn er in Rente ist? „Dann ist bei uns alles sauber dokumentiert“ sagt die Firma, wobei ich meine leisen Zweifel abgeleitet aus Erfahrungen hinzufügen möchte. Und was ist, wenn es die Firma nicht mehr gibt? Es sind schon einige Giganten der Vergangenheit wie Kodak, Grundig, Nixdorf oder AEG bestenfalls nur als Marke übrig geblieben. Auch eine Firma mit einem eigenen Produkt für Gebäudesystemtechnik ist vor Jahren vom Markt verschwunden. Investoren, die dieses Produkt eingesetzt haben, sanieren gerade für viel Geld ihren Neubau. Also genau dann beginnt das Problem so richtig und dann ist Ihr Bürogebäude plötzlich so gar nicht mehr smart, denn die Gebäudesystemtechnik verbindet alles in Ihrem Bürogebäude, ALLES. Hoffen können Sie dann nur noch, dass nicht auch noch das Übertragungsprotokoll mittlerweile zu den Dinosauriern gehört. Niemand, wirklich niemand, wird Ihnen voraussagen können, was in 15 Jahren von den genannten Systemen noch up to date ist.

In Zukunft wird sich das Problem potenzieren und davor will ich warnen. Denn jetzt sollen alle modernen Neubauten oder Sanierungen smart werden und ich fürchte in der Begeisterung für Digitalisierung gehen die Bedenken des vorsichtigen Entscheiders unter.

Was kann denn eine Lösung sein?

Sie werden schon vom Internet gehört haben 😉. Tatsächlich kann ich mir eine amerikanische, chinesische oder afrikanische Website mit einem einzigen Browser ansehen und ich kann tatsächlich über ein einziges, weltweit anerkanntes Protokoll mailen. Dieses nennt sich SMTP, wobei das S für simple steht. Und genau darum geht es. Es geht um einen einfachen Standard, der weltweit akzeptiert ist und wohl auch 15 Jahre überdauern wird. Es steht für mich vollkommen außer Frage, dass sich das Internetprotokoll auch für die Anwendung im Bürogebäude durchsetzen wird, oder wollen wir darauf warten, dass sich Industriegiganten auf einen Standard einigen und alle Produkte, die nicht dazu passen, wegschmeißen? TCP/IP also das Internetprotokoll wird immer über genügend Fachleute verfügen und einfache Standards sind auch einfach zu bedienen. Und so wie ein Smartphone heute diverse APPs diverser Entwickler aufnehmen kann, wird dies auch in der Gebäudeleittechnik sein. Wenn also ein Anbieter von einer Bedienoberfläche vom Markt verschwindet, dann werden sie nichts davon mitkriegen, dann laden Sie eben eine andere APP auf Ihre internetbasierte Gebäudeplattform. Für das Daten sammeln und aufbereiten sind diejenigen Anbieter – vor allem auch für Bestandsgebäude – mein Favorit, die mit quasi allen oben genannten Protokollen zurecht kommen. So schafft man sich eine Unabhängigkeit, die dringend notwendig ist.

Ein wichtiges Thema ist in diesem Zusammenhang natürlich das Thema Datensicherheit. Hierzu müssen stabile Lösungen entwickelt werden, die nicht von außen attackiert werden können. Auch der vernetzte PKW denkt hier zurecht in lebenswichtigen und nice-to-have-Funktionen und trennt diese voneinander. Wer also das System knackt, was schon namhaften Anbietern passiert ist, und die Wagentür öffnet, kann noch lange nicht losfahren oder die Bremse auslösen. Welche Daten in die Cloud gelangen dürfen und welche Daten im Bürogebäude verbleiben müssen, ist gut abzuwägen. Im Zweifel ist es nicht so wichtig, wenn die Heizung per Smartphone eingeschaltet werden kann, wenn damit die Gebäudesicherheit gefährdet ist. Moderne Bürogebäude sind sowieso so intelligent geregelt, dass jeder Eingriff des Menschen nur seiner Psyche nicht aber dem Raumklima dienen.

Wer den Weg des Standards und der Offenheit geht, wird zudem durch eine unfassbare Innovationsgeschwindigkeit belohnt. Im Smart Home Bereich kann derzeit wöchentlich beobachtet werden, wie neue Geräte, neue Vernetzungen und neue Funktionen entstehen. Durch den einfachen Webstandard sitzen tausende Entwickler gerade, während Sie diesen Blog lesen, an ihrem Rechner und programmieren eine neue Funktion oder binden ein neues Gerät ein. Da zu Hause kein Facility Manager mit erfolgreicher Habilitation der Stanford University sitzt, weiß die Industrie, dass nur Plug and Play Lösungen diesen gigantischen Markt erobern werden. Und dass der Markt gigantisch ist, beweisen die Namen der Beteiligten: Google, Apple, Amazon. Warum soll bei Bürogebäuden nicht auch das gelten, was im Wohnungsbau funktioniert?

Welche Firma zudem glaubt, gegen die Massenbewegung Internet mit einem eigenen System ankommen zu wollen, der kämpft gegen Windmühlen und steckt noch im 20. Jahrhundert. Mit der Crowd sollte man den Kampf besser nicht aufnehmen, man sollte sie hingegen für sich gewinnen. Und das ist nur mit offenen Lösungen möglich.

Alexa, der Artikel ist zu Ende, Licht aus!

Bernhard Frohn

"Mich begeistern nachhaltige Lösungen, die langfristig alle zu Gewinnern machen. Einseitiges Wirtschaften zum kurzfristigen Nutzen weniger wird uns auf die Füße fallen. Das ist kein politisches Statement von mir, sondern ich behaupte, dass nur mit konsequenter Nachhaltigkeit langfristig unsere sozialen und wirtschaftlichen Systeme stabil bleiben werden. Die zunehmende Instabilität unserer sozialen und wirtschaftlichen Systeme sind gerade gut zu beobachten. Kann mir jemand erklären, wie in einem der reichsten Länder der Welt, nämlich in Deutschland, die Kinderarmut steigen kann? Hier ist HANDELN angesagt, wie gesagt, zum Wohle Aller und mit dem Blick in die Zukunft!"

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