KLIMA, WANn hanDELn wir?


Ignorieren und Aussitzen könnten olympische Disziplinen für den Klimawandel werden. Starkregenereignisse in Deutschland werden in diesem Jahr zeitgleich durch eine mehrmonatige Dürre in Italien begleitet. Eine Klimakatastrophe folgt der nächsten. Der CO2 Gehalt der Atmosphäre ist in 2016 erneut gestiegen und hat so einen neuen Rekordwert seit 800.000 Jahren erreicht. Die Sondersendungen über Klimakatastrophen geben sich im Fernsehen die Klinke in die Hand. Und während draußen Erdrutsche Dörfer zerstören und der Regen heftig an die Scheibe prasselt, fälschen wir drinnen in der warmen Stube die Software unserer vermeintlich umweltfreundlichen PKWs. Bei Gebäuden ist es sogar noch schlimmer, hier wird gar nicht geprüft, ob sie die Energie-Verbrauchswerte überhaupt einhalten. Ein Papierdokument reicht dem Gesetzgeber als Nachweis für Energieeffizienz aus. Auch die Nachhaltigkeitszertifikate (DGNB, Breeam, LEAD…) sind hier noch nicht weiter, da alle Nachweise nach Fertigstellung des Gebäudes erbracht werden. Den Betrieb interessiert bisher niemanden. Dass die Praxis in Gebäuden (wir messen seit 15 Jahren diverse Gebäudetypen nach) dramatisch höhere Energieverbrauchswerte aufweist, fällt niemanden auf. Wenn man bedenkt, wie groß der Energiebedarf von Gebäuden im Vergleich zu PKWs ist, dann wundert man sich über diese gesellschaftlich beschränkte Wahrnehmung.

Als Kinder haben wir uns früher immer gefragt, was wir tun würden, wenn wir König oder Königin wären. Während die Antworten früher von Playmobil oder Erdbeerkuchen handelten, würde ich jetzt – neben weiteren Wünschen und dem Erdbeerkuchen – ein wahnwitziges Programm für Energieeffizienz auflegen. Dabei würde ich so weit gehen, dass ich SOGAR die Realität zu Wort kommen lassen würde. Nachmessen wäre in meinem Reich Pflicht. Wer das Ziel erfüllt oder übererfüllt, bekäme sogar eine Belohnung (siehe Erdbeerkuchen). Dabei würde dann sogar zu Tage treten, dass Energieeffizienz nicht nur aus Dämmung und Photovoltaik besteht, sondern ein wenig komplexer ist. Zu viel Wärmedämmung kann sogar schaden, da sie auch im Sommer wirkt, wenn gekühlt werden soll. Aber auch das will keiner hören. Ist alles zu kompliziert und viel zu realistisch.

Jetzt muss ich mich mit den Kritikern zu diesem Thema kurz auseinandersetzen. Ich möchte schon vorwarnen, dass es jetzt polemisch wird, ich bin gerade so in Schwung ;-):

  • Wem diese Konsequenz jetzt zu weit geht, der solle mir bitte erklären, wer einen Nachteil von Energieeffizienz hat. Sogar der Energieversorger, der weniger Energie verkauft, könnte ja ein Geschäftsmodell zur Energieeffizienz aufgreifen.
  • Und wer noch immer daran zweifelt, ob denn der Klimawandel von Menschen gemacht ist, auch der sei beruhigt. Wenn es denn so wäre, dass der Mensch hier nicht mitwirken sollte (alle Fakten sprechen dagegen) dann hat die Energieeffizienz eben nur Geld gespart. Na und?
  • Und wer denkt, dass Energieeffizienz bei Bürogebäuden mehr Geld kostet als bei normalen Gebäuden, der solle bitte endlich seine Milchmädchenrechnung auf Lebenszykluskosten umstellen, denn die zahlen schließlich der Nutzer und der Eigentümer auch jetzt schon. Sogar der vermietende Eigentümer zahlt die Nebenkosten indirekt, da er durch hohe Nebenkosten in der Kaltmiete, die er nehmen kann, beschränkt wird. Den Mieter interessiert nämlich letztendlich nur die Warmmiete.
  • Und wer denkt, sein Gebäude sei doch effizient, der messe bitte im Detail (Heizung, Kühlung, Lüftung, Beleuchtung, Allgemeinstrom) nach. Nach meiner Erfahrung geschieht nach wie vor schrecklich wenig mit Ausnahme der Feigenblätter, die häufig allein aus Maßnahmen zur Energieerzeugung bestehen, am besten solcher, die weithin sichtbar auf dem Dach sind.
  • Und wer meint, dass dieser ganze Umweltquatsch nur Arbeitsplätze kostet, der hat nicht verfolgt, was in den letzten Jahren passiert ist. In Zukunft wird genau zu beobachten sein, wo Arbeitsplätze zu den Themen der Nachhaltigkeit entstehen. Führende amerikanische Unternehmen haben aktuell die berechtigte Sorge, dass ihr Land bei diesen Themen abgehängt wird, da ihr Präsident gerne mit alternativen Fakten agiert. Und diese Sorge hat allein ökonomische Gründe.
  • Und wer denkt, dass wir mit Photovoltaik und Windenergieanlagen doch schon genügend für unsere Energiebilanz tun, der schaue sich einmal an, wie zum Beispiel Bürogebäude heute gekühlt werden. Der Kühlbedarf steigt ja bei allen Gebäudetypen – aufgrund des Klimawandels – und in 99 % der Fälle wird die Kälte extrem aufwendig und ineffizient mit Strom aus der Steckdose erzeugt. Wer jetzt glaubt, dass dies doch mit Photovoltaik auf dem Dach angetrieben werden kann, der sei daran erinnert, dass ein Haarföhn ca. 20 m² Photovoltaikanlage zum Antrieb benötigt. Denken Sie bitte nicht darüber nach, dass Photovoltaik einen relevanten Anteil des Kühlbedarfs eines Bürogebäudes decken könnte.
  • Und wer Energieeffizienz für zu kurz gegriffen hält und das Thema auch auf die Materialökologie und das Thema Kreislaufwirtschaft ausweiten möchte, der hat einfach nur recht.

Und warum rege ich mich so auf?

Ich rege mich auf, da wir tatsächlich über alle technischen Möglichkeiten verfügen, um größte Energieeffizienz oder Nachhaltigkeit schon heute zu leben. Stattdessen betrügen wir uns mit Software oder mit schriftlichen Nachweisen über unser gutes Tun und wundern uns, wenn das Klima verrücktspielt. Jeden Sommer aufs Neue bestaunen wir die Überschwemmungen oder Erdrutsche und bieten den Betroffenen Spenden und andere wirtschaftliche Hilfen an. An die Ursachen gehen wir aber nicht wirklich heran. Richtig „spannend“ wird es, wenn der Klimawandel schon heute benachteiligte Regionen weiter benachteiligt. Ich höre schon den Aufschrei in einigen Jahrzehnten, wenn die Klimaflüchtlinge sich auf den Weg nach Europa machen. Liebe Leser: Alle Folgen haben Ursachen und wir könnten etwas tun.

Handeln ist angesagt und zwar jetzt. Kohlendioxid, eine Hauptquelle des Klimawandels, baut sich mit einer unfassbaren Trägheit von 100 Jahren in der Atmosphäre ab. Alles was wir heute versäumen zu tun, werden also die Kindeskinder unserer Kinder ausbaden. Wollen wir das? Zum Handeln sind übrigens nicht nur die Verbraucher aufgefordert. Ich sehe auch besonders die Unternehmen in der Pflicht. Die Unternehmen verfügen über viel Know-how und Intelligenz und können sich sehr komplexe Gedanken über die Nachhaltigkeit machen. Würden Sie konsequent handeln, dann gäbe es mehr nachhaltige Produkte als Mogelpackungen.

„Wehret den Anfängen! Zu spät wird die Medizin bereitet, wenn die Übel durch langes Zögern erstarkt sind.“, schrieb der römische Dichter Ovid vor Christi Geburt – allerdings zum Thema Liebe. Ich möchte dies auf heutige Sprache frei übersetzen mit: „Es wird keinen Erdbeerkuchen mehr geben, wenn wir nicht konsequent umsetzen, was wir schon können und wenn wir nicht endlich aufhören zu ignorieren, zu täuschen und auszusitzen.“

Bernhard Frohn

"Mich begeistern nachhaltige Lösungen, die langfristig alle zu Gewinnern machen. Einseitiges Wirtschaften zum kurzfristigen Nutzen weniger wird uns auf die Füße fallen. Das ist kein politisches Statement von mir, sondern ich behaupte, dass nur mit konsequenter Nachhaltigkeit langfristig unsere sozialen und wirtschaftlichen Systeme stabil bleiben werden. Die zunehmende Instabilität unserer sozialen und wirtschaftlichen Systeme sind gerade gut zu beobachten. Kann mir jemand erklären, wie in einem der reichsten Länder der Welt, nämlich in Deutschland, die Kinderarmut steigen kann? Hier ist HANDELN angesagt, wie gesagt, zum Wohle Aller und mit dem Blick in die Zukunft!"

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