BIM – die leise Revolution


BIM ist die Abkürzung für Building Information Modeling. BIM ist keine bessere CAD-Software, sondern BIM ist eine Revolution. Während wir in Deutschland beim Bau eines Bürogebäudes das Thema noch ignorieren, überholen uns die Niederlande, England oder die skandinavischen Länder rechts und links. Ich könnte mich jetzt darüber aufregen, dass wir einen weiteren Zukunftstrend verschlafen, aber dazu ist mir Ihre Zeit zu schade. Ich würde Ihnen lieber schreiben, warum ich denke, dass BIM unser Bauprodukt mächtig beeinflussen wird.

BIM ist eine Datenbank, die wie eine CAD-Software geometrische Informationen enthält. Darüber hinaus kann diese Datenbank aber alle Informationen, die uns wichtig sind, speichern. Gewicht, Material, Investitionskosten, Folgekosten im Lebenszyklus, ökologischer Fußabdruck, die Reihenfolge des Einbaus (also Prozess), die Fähigkeit zum Recycling und viele andere Eigenschaften lassen sich in der Datenbank speichern. Kopieren Sie ein Fenster, sind damit auch sämtliche Eigenschaften kopiert. So setzen Sie Ihr Gebäude Stein für Stein, Fenster für Fenster und Steckdose für Steckdose zusammen. Auf Knopfdruck können Sie jetzt zum Beispiel folgende Auswertungen durchführen:

  • Was kostet mein Bürogebäude?
  • Wie hoch sind die Folgekosten für Energie, Wartung, Reinigung oder Instandsetzung?
  • Wie groß ist der ökologische Fußabdruck?
  • Welcher Anteil an verbauten Stoffen kann recycelt werden und was kostet mich das Recycling?
  • Wie sieht meine Stückliste über die Zeit aus, wann benötige ich welches Bauteil?

Alle diese Auswertungen erhalten Sie auf Knopfdruck und genau das ist die Revolution. So lassen sich im Vorfeld der Realisierung eines Gebäudes zahlreiche Szenarien preiswert abbilden, die dann zu einem perfekten Bürogebäude führen. Ohne BIM wäre dies nur mit sehr viel Geld und Zeit möglich und daher entstehen heute viele Gebäude, die nur teilweise optimiert sind. Mit der BIM-Datenbank kann das Fassadenmaterial einmal eben getauscht werden und sofort können die ökologischen und ökonomischen Konsequenzen bis zu den Folgekosten bilanziert werden. Ein Traum für jeden, der sich nicht nur mit der Optimierung von einzelnen Aspekten zufriedengeben möchte und der Neubauten nach dem Einzug nicht gleich sanieren will.

Die BIM-Revolution ist aber noch eine leise Revolution, da noch zahlreiche Schnittstellen zu programmieren sind, ehe aus der BIM-Datenbank eine gefüllte Datenbank mit mehreren Informationsebenen wird. Aber schon heute können BIM-Plandaten an die Fertigung weitergegeben werden. Unsere Schwestergesellschaft in den Niederlanden realisiert jetzt schon Einfamilienhäuser, bei denen der Wandaufbau incl. Wärmedämmung und integrierten Kabeln und Steckdosen im Computer entwickelt und dann fertig auf der Baustelle angeliefert wird.

Aktuell sieht das Planen in Deutschland anders aus. Der Architekt zeichnet in CAD und Tragwerksplaner sowie Technikplaner nutzen auch das CAD-Modell des Architekten. Dann geht es aber los. Die dynamische Simulation des Energiebedarfs und des Raumklimas, die Simulation der Raumakustik, die dynamische Simulation der Hydraulik, der EnEV-Nachweis (Energieeinsparverordnung), die Kostenbilanz und die Ökobilanz sind alles separate Programme und Datenbanken. So wird – Bauunkundige werden es mir nicht glauben – das Bürogebäude drei bis fünf Mal neu in unterschiedlicher Software abgebildet. Dabei kann man nur hoffen, dass bei der Übertragung keine Fehler passieren. Lustig wird es, wenn im Planungsablauf noch wesentliche Änderungen vorgenommen werden, dann packt jeder sein Datenmodell nochmals an und wertet alles neu aus. Ein Öltanker ist ein wendiges Rennboot im Vergleich zu dieser Vorgehensweise. Sollten Sie sich wundern, warum 25 % der Baukosten in Dienstleistung investiert werden müssen, dann ist eine Antwort damit gegeben.

Es tut sich aber etwas. Für unseren BOB entwickeln wir Schritt für Schritt die ideale BIM-Integration, denn schließlich wollen wir das optimale Bürogebäude schaffen. Eine Aachener Forschergruppe mit Namen GREENbimlabs gehört dabei zu den idealen Partnern für uns. GREENbimlabs entwickelt BIM-Schnittstellen zur Bestimmung des Potentials für Recycling und Abfall eines Bauvorhabens. GREENbimlabs mahnt an, dass im Unterschied zum Beispiel zur PKW-Industrie die Bauindustrie viel zu entsorgenden Müll erzeugt und wenig im Sinne einer Kreislaufwirtschaft agiert. Während bei einem PKW 20 % Müll anfallen, sind dies bei einem Bauprojekt mehr als 65 % an Müll, der auf eine Deponie entsorgt wird. Dabei ist absehbar, dass die größten Minen für Kupfer und andere wichtige Rohstoffe demnächst in Städten zu finden sind. Daher wäre es wünschenswert, wenn das alte Gebäude per BIM-Datenbank wüsste, was in ihm an wertvollen Rohstoffen enthalten ist. Für Investoren, die demnächst für die Entsorgung von Müll noch mehr Geld zahlen werden, ist daher die Kenntnis über die recycelbaren Rohstoffe bares Geld wert. Den Investoren, die heute schon daran denken, winken beim Abriss finanzielle Einnahmen und keine Kosten.

Und dass das Potential für Recycling groß ist, zeigen Zahlen. Während bei einem PKW mehr als 85 % des Materials recycelt werden können, sind dies bei einem Gebäude derzeit weniger als 15 %. Information kann dies ändern. Wenn es gelingt, den Investoren per BIM-Datenbank zu verdeutlichen, welche Konsequenz diese Art des Bauens hat, dann lässt sich etwas ändern. Und BIM ist der Schlüssel für diese ganzheitliche und Gewerke übergreifende Information zu allen Themen der Kosten der Ökologie und auch der soziokulturellen Faktoren.

Und so wird BIM seinen Weg gehen, auch wenn es, wie so oft, viele Vorbehalte und Widerstände gibt. Hier hilft es einfach, voran zu gehen und vorbildhafte Projekt zu realisieren. Der Rest wird dann schon folgen.

 

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Abb. BIM-Modell des BOB.Aachen (GREENbimlabs)

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Abb. Ausschnitt des BIM-Technikmodells BOB.Aachen (GREENbimlabs)

Bernhard Frohn

"Mich begeistern nachhaltige Lösungen, die langfristig alle zu Gewinnern machen. Einseitiges Wirtschaften zum kurzfristigen Nutzen weniger wird uns auf die Füße fallen. Das ist kein politisches Statement von mir, sondern ich behaupte, dass nur mit konsequenter Nachhaltigkeit langfristig unsere sozialen und wirtschaftlichen Systeme stabil bleiben werden. Die zunehmende Instabilität unserer sozialen und wirtschaftlichen Systeme sind gerade gut zu beobachten. Kann mir jemand erklären, wie in einem der reichsten Länder der Welt, nämlich in Deutschland, die Kinderarmut steigen kann? Hier ist HANDELN angesagt, wie gesagt, zum Wohle Aller und mit dem Blick in die Zukunft!"

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