Überforderung!


Fast die Hälfte aller Arbeitnehmer geben an, in den letzten 12 Monaten stressinduzierte Gesundheitsbeschwerden gehabt zu haben. Die Alarmglocken sollten läuten. Wie schaffen wir es eigentlich, dass wir uns im Beruf so dermaßen stressen? Warum beschleunigt sich unser Alltag sogar noch? Wir haben doch mit dem Computer und der elektronischen Kommunikation eine unglaubliche Arbeitserleichterung geschaffen. Baupläne können wir zum Beispiel elektronisch kopieren und müssen sie nicht mehr per Tusche zeichnen. Apropos Tusche: Sollten Sie in einem Gebäude aus den 80er Jahren oder früher sitzen, dann ist dieses sehr wahrscheinlich mit Tusche gezeichnet worden. Fehler auf dem Transparentpapier wurden damals mit einer Rasierklinge entfernt und Buchstaben und Zahlen zeichnete der Mitarbeiter mit einer Schablone. Jetzt einmal im Ernst: können Sie heute verstehen, dass diese Gebäude jemals fertig werden konnten und dass sie bezahlbar waren? Das kann doch gar nicht sein. Sitzen Sie in einem Phantom? Gab es wirklich eine Zeit ohne CAD? Und wo waren damals die Burn-Out-Kranken oder simulieren die heute alle nur?

Forschen wir einmal weiter. Was denken Sie, denkt ein 45-Jähriger, der mit ansehen muss, wie 25-Jährige mit Smartphone, Tablet und Excel umgehen, als seien die Tools fest mit deren Körper verwachsen? Scheinbar mühelos beherrschen diese jungen Konkurrenten um den Arbeitsplatz jede APP. Kann es sein, dass Angst die Runde macht? Kann es sein, dass der 45-Jährige Angst hat, den Anforderungen von morgen nicht mehr gerecht werden zu können? Angst ist ein gesundes Regulativ, auf Dauer macht sie allerdings krank. Perspektivlosigkeit stellt sich ein. An Zukunft glaubt man dann nicht mehr.

Und wie geht es dem 25-Jährigen? Er kann in Kanada, USA oder Dänemark studieren. Er kann eine Firma gründen, wie die vielen jungen Helden aus dem Silicon Valley es ihm vorgemacht haben und er kann reich werden. Er kann auch ein Handwerk erlernen oder er arbeitet von zu Hause aus über eine Coworking-Plattform oder er wird Sänger und dann am besten direkt ein Star. Er hat alle Möglichkeiten und genau das ist sein Problem. Funktioniert das eine nicht, probiert er eben das andere. Auch das kann Angst machen. Ich muss mich entscheiden und bin schnell auf mich alleine gestellt. War meine Entscheidung falsch, muss ich etwas Neues entscheiden? Mehr Unsicherheit in jungen Jahren geht nicht.

Ich behaupte einmal, dass wir alle ob jung oder alt heute schnell überfordert sind. Die Dynamik der Veränderung, die Vielfalt der Möglichkeiten und die Komplexität der Lösungen fordern und überfordern den Einzelnen. Es fehlt die Orientierung. Daher können auch EDV und andere Tools keine echten Lösungen sein. Effizienz ist ohne Effektivität keine Lösung. Wenn ich immer das Falsche mache, nützt es auch nichts, wenn ich dies effizient tue. An vielen Stellen ist diese Hilflosigkeit zu spüren. Sprechen Sie mit Mitarbeitern in der Baubranche und suchen Sie mit mir denjenigen, der nicht über die Zustände in der Branche klagt.

Und was ist jetzt die Lösung?

Ich habe oben geschrieben, dass die Anforderungen den Einzelnen überfordern und das will ich betonen, denn hier liegt für mich der Schlüssel. Die Anforderungen überfordern den Einzelnen aber eben nicht das Team. Im Team oder im Netzwerk entstehen unglaubliche Ideen und Synergien. Ich bin immer wieder überrascht, was ich von anderen lernen kann, wenn ich einfach nur zuhöre und einmal die Bescheidenheit aufbringe, zuzulassen, dass durch die Kombination des Wissens neues entsteht. Es überrascht mich aber auch, wie viele zu einer Kooperation nicht fähig sind. Sich auf den anderen einzulassen, zuzuhören und im gegenseitigen Nutzen zu denken und noch besser zu handeln, das sind Grundvoraussetzungen, die seltener zu werden scheinen. Das ist übrigens nach meiner Wahrnehmung keine Altersfrage.

Netzwerken könnte also eine Lösung sein. Dazu müssen wir über Hierarchie-, Alters-, Firmen- und regionale Grenzen hinweg kommunizieren. Wer das beherrscht oder zulässt, der findet neue Lösungen für Probleme in einer zweifelsfrei komplexeren Welt. Und genau dazu benötigen wir neue Arbeitswelten in ganz anderen Bürogebäuden. Oder haben Sie einmal versucht, in einem Zellenbüro mit geschlossenen Wänden und Türen Menschen zu spontaner Kommunikation anzuregen? Wie spontan ist der Mitarbeiter, wenn wir ihm einen festen Arbeitsplatz als einzige Möglichkeit zu arbeiten anbieten?

Natürlich will ich betonen, dass der Ort des Arbeitens, also das Bürogebäude, nur ein Instrument für eine netzwerkende Kultur ist. Auch die Führungs- und Kommunikationskultur hat selbstverständlich einen entscheidenden Einfluss. Aber dies weiter auszuführen, führt hier zu weit.

Also liebe jungen Arbeitnehmer legt Euer Daddelhandy einmal weg und sprecht mit Eurem Gegenüber. Sprecht mit den Älteren, holt Euch Rat und entscheidet, indem Ihr Eure und andere Meinungen abwägt. Das wichtigste in Eurem Leben ist nicht Euer Ego sondern das ist Euer Team, in dem Ihr wirkt. Und Teams bildet man nicht in der virtuellen Welt. Alleine werdet Ihr Probleme bekommen, als Team könnt Ihr Berge versetzen.

Und liebe älteren Semester vergessen Sie bitte (hier Sieze ich besser) das Thema Hierarchie. Heute zählen Ergebnisse und dabei können junge Mitarbeiter einen unglaublichen Beitrag leisten. Dies war vor 30 Jahren tatsächlich anders. Junge Menschen haben heute Einblicke in das Thema Digitalisierung, die Sie als Ältere einfach nicht haben können. Alter bringt zwar Erfahrung, aber Erfahrung verstellt in einer dynamischen Welt manchmal den Blick auf das Neue, da die Synapsen im Hirn fest verdrahtet in bewährten Schematas denken. Bewährt ist bald aber nicht mehr viel, wenn der Wandel weiter so voranhetzt.

In diesem Sinne, netzwerken Sie konsequent und gut.

Bernhard Frohn

"Mich begeistern nachhaltige Lösungen, die langfristig alle zu Gewinnern machen. Einseitiges Wirtschaften zum kurzfristigen Nutzen weniger wird uns auf die Füße fallen. Das ist kein politisches Statement von mir, sondern ich behaupte, dass nur mit konsequenter Nachhaltigkeit langfristig unsere sozialen und wirtschaftlichen Systeme stabil bleiben werden. Die zunehmende Instabilität unserer sozialen und wirtschaftlichen Systeme sind gerade gut zu beobachten. Kann mir jemand erklären, wie in einem der reichsten Länder der Welt, nämlich in Deutschland, die Kinderarmut steigen kann? Hier ist HANDELN angesagt, wie gesagt, zum Wohle Aller und mit dem Blick in die Zukunft!"

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