Der Nutzer ist schuld


Dass Spinat einen sehr hohen Eisengehalt hat, ist eines der vielen Gerüchte, die sich irgendwie ewig halten, auch wenn schon längst aufgeklärt ist, dass es sich bei der Messung des Eisengehaltes um getrockneten Spinat handelte, den bekanntlich niemand isst. Und dieses Missverständnis ist schuld daran, dass Sie und ich als Kind gefühlte Berge von Spinat essen mussten. Schaut man sich die jetzt wieder beginnende Grillsaison mit den im Baumarkt zu kaufenden Grillmonstern an, so handelt es sich eindeutig um eine psychologisch leicht erklärbare Gegenreaktion gegen Spinat. Anders ist das nicht zu erklären 😉

Bevor sich jetzt auch bei der Entwicklung von Bürogebäuden wieder so ein hartnäckiges Gerücht festsetzt, würde ich gerne Folgendes geschrieben haben:

Wenn Bürogebäude nicht funktionieren, sich das gewünschte Raumklima nicht einstellt oder wenn die geplante Energieeffizienz nicht erreicht wird, dann kommt immer schnell als Begründung das Nutzerverhalten ins Gespräch. Es sei ja nachgewiesen, dass der Nutzer einen großen Einfluss habe und leider könne man dagegen nichts machen. Wunderbar! Eine Branche wäscht sich rein. Eigentlich wolle man ja nachhaltige und effiziente Immobilien anbieten, aber der Nutzer mache eben alles wieder kaputt, sagt die Branche.

Dabei ist es eigentlich ganz einfach: Fehlnutzung ist genauso eine bekannte Tatsache wie die aufgehende Sonne oder der Temperaturunterschied zwischen Winter und Sommer. Genauso wie diese Aspekte zu berücksichtigen sind, könnten die Produktentwickler eines Bürogebäudes einkalkulieren, dass der Nutzer bei -10 °C Außentemperatur das Fenster öffnet oder das Kunstlicht bei 15.000 Lux Außenhelligkeit einschalten möchte. Die Fehlnutzungen sind ja bekannt und per Gebäudesimulation kann vorausgesehen werden, wie mein Bürogebäudesystem reagiert, wenn der Nutzer etwas falsch macht. Moderne PKW machen dies bereits selbstverständlich vor. Wenn Sie den Rückwärtsgang bei zügiger Vorwärtsfahrt einlegen wollen, wird Ihnen dies nicht gelingen. Ist das Licht noch an, erfolgt eine Warnung und auch im Fall, dass der Schlüssel noch im PKW liegt, verhindert das Auto das automatische Verschließen.

Ein Warnsignal bei eingeschaltetem Licht und geöffneter Tür haben die PKW, die ich fahre, schon seit 20 Jahren. In Bürogebäuden können Sie hingegen noch heute tun und lassen, was Sie wollen. Bei besonders schlechten Gebäudekonzepten ist es sogar möglich, Kühlung, Heizung und Lüftung gleichzeitig einzuschalten und gegeneinander arbeiten zu lassen. Dass die Menschen dieses System dann falsch nutzen werden, ist sicher und ihnen nicht wirklich vorzuwerfen. Apropos System. Von System würde ich bei solchen Gebäuden übrigens nicht sprechen, sondern solche Bürogebäude, die wir in großer Vielzahl vorfinden, sind systemlos. Tatsächlich verfügen nur wenig Bürogebäude – auch Neubauten – über ein durchdachtes und auf seine Stabilität hin ausgerichtetes System. Jedes System kennt Input- und Output-Parameter und damit eben auch dynamische Störgrößen.

Ein durchdachtes Bürogebäudesystem zeichnet sich dadurch aus, dass Fehlnutzungen entweder einen nur geringen Einfluss auf Funktion und Effizienz haben oder dass dem Nutzer angezeigt wird, wenn er etwas falsch macht. Perfekt würde ich ein Büogebäudesystem nennen, wenn es solche Funktionen mit wenig Technik realisiert. Was andere Branchen schon lange können, sollte auch bei Bürogebäuden normal sein.

So, nun wünsche ich Ihnen einen schönen Grillabend und Sie wissen jetzt auch endlich, warum jeder Deutscher ab 13 °C Außentemperatur sofort den Grill anwirft. Dieser Blog hat Lernerfolge ohne Ende …

Bernhard Frohn

"Mich begeistern nachhaltige Lösungen, die langfristig alle zu Gewinnern machen. Einseitiges Wirtschaften zum kurzfristigen Nutzen weniger wird uns auf die Füße fallen. Das ist kein politisches Statement von mir, sondern ich behaupte, dass nur mit konsequenter Nachhaltigkeit langfristig unsere sozialen und wirtschaftlichen Systeme stabil bleiben werden. Die zunehmende Instabilität unserer sozialen und wirtschaftlichen Systeme sind gerade gut zu beobachten. Kann mir jemand erklären, wie in einem der reichsten Länder der Welt, nämlich in Deutschland, die Kinderarmut steigen kann? Hier ist HANDELN angesagt, wie gesagt, zum Wohle Aller und mit dem Blick in die Zukunft!"

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