Digitalisierung und neue Arbeitswelten


Digitalisierung wird schnell mit dem Internet der Dinge oder dem selbstfahrenden Auto und anderen Schlagworten in Verbindung gebracht. Das ist nicht falsch, aber es gibt eine deutlich größere Dimension, die dieses Thema bewegt. Um das nachzuvollziehen, muss noch ergänzt werden, dass zunehmend nicht mehr der Stoff, sondern das Wissen an Wert gewinnt. WhatsApp, Airbnb, Uber, Google oder Amazon sind nicht mit der Produktion von Waren, sondern mit digitalisierten Ideen groß geworden. Wissen hat also heute Wert und mit Wissen kann mehr als jemals zuvor Geld verdient und Wert geschaffen werden.

Wie wichtig Wissen ist, mag man jetzt schon an Kleinteilen wie Steckdosen oder anderen kleinen Teilen aus Kunststoff ablesen. Eine Steckdose wird demnächst wesentlich aus Software bestehen. Diese Software wird man downloaden evtl. noch mit gewünschten Eigenschaften wie Farbe oder Form bestücken und dann wird man die Steckdose zu Hause im 3D Drucker ausdrucken. Danach können Sie Ihre Steckdose mit Ihrer Beschriftung und Ihrer Farbe einbauen. An diesem Prozess verdienen der Hersteller des 3D-Druckers, der Lieferant des recht dummen Rohmaterials und eben der Anbieter der Steckdosen-Software, also des Know-hows.

Selbst aus harter Materie wird also zum Großteil Wissen.

Wenn das Wissen so an Bedeutung gewinnt, dann werden sich auch die Prozesse der Wissensgenerierung in unseren Arbeitswelten und in unseren Bürogebäuden widerspiegeln. Wissen – und das ist nicht neu – wird vor allem dort entwickelt, wo unterschiedliche Disziplinen zusammenkommen und interagieren. Kreative Ideen entstehen durch Kombination. Neu ist hingegen, dass der Anteil der Wissensarbeiter aus den oben genannten Gründen stark zunimmt. Während früher wir Wissensarbeiter eine kleine Zahl waren und die Abwickler in Büro und Produktionshalle die Überhand hatten, dreht sich das Verhältnis. Die Digitalisierung liefert mit Software und demnächst Robotern eine wunderbare Basis für die Abwicklung. Nichts ist leichter als einer Software einen Vorgang – und sei er auch noch so komplex – beizubringen, der 1 Million Mal wiederholt werden soll. Steuersoftware ist ein schönes Beispiel für den langsamen Ersatz von Steuerberatern zumindest im Privatbereich.

Jetzt komme ich zu der massiven Änderung, die unser Berufsleben erfahren wird. Wissen aufzubauen, erfolgt in einem Kreativprozess. Dieser kann nicht hierarchisch befohlen werden und es ist auch nicht gesagt, dass Männer kreativer als Frauen, Ältere schlauer als Jüngere, Ingenieure besser als Physiker oder Großunternehmen innovativer als Kleinunternehmen sind. Daher lösen sich Strukturen auf, die wir gestern noch gelebt haben. Es kann gut beobachtet werden, wie gerade Unternehmen Probleme bekommen, die an alten Zöpfen festhalten.

Die Arbeitswelten werden sich daher dieser massiven Umorientierung anpassen müssen. Birgit Gebhardt spricht in ihrem Interview mit BOB.TV über ein Silodenken, das heute in Unternehmen sehr stark vorherrscht. Künftig werden die Arbeitswelten daher flexibler, weniger hierarchisch und zeitlich und räumlich aufgelockert werden  müssen. Arbeiten wird an vielen Orten erfolgen. Auch im Bürogebäude wird nicht der feste Arbeitsplatz für 20 Jahre zugewiesen, sondern es werden unterschiedliche Nutzungszonen geschaffen, die von allen Mitarbeitern flexibel genutzt werden können.

Abschließend will ich laut betonen, dass es sich bei dem Zusammenspiel aus Digitalisierung und den damit neu entstehenden Arbeitswelten nicht um eine Modeerscheinung handelt. Es geht vielmehr um eine tiefgreifende Änderung unseres Arbeitsverständnisses. Daher wird das Großunternehmen mit dem kleinen KMU kooperieren und die Alten werden den Jungen und die Jungen den Alten zuhören. Wer an dem Obrigkeits- und Machtdenken der Vergangenheit festhält, wird in Zukunft keine Rolle mehr spielen. Es geht also um deutlich mehr, als nur um neue Möbel zu bestellen und die Wände für das open space einzureißen. Es geht um Kultur, die Kultur des Umgangs und des Netzwerkens miteinander.

Bernhard Frohn

"Mich begeistern nachhaltige Lösungen, die langfristig alle zu Gewinnern machen. Einseitiges Wirtschaften zum kurzfristigen Nutzen weniger wird uns auf die Füße fallen. Das ist kein politisches Statement von mir, sondern ich behaupte, dass nur mit konsequenter Nachhaltigkeit langfristig unsere sozialen und wirtschaftlichen Systeme stabil bleiben werden. Die zunehmende Instabilität unserer sozialen und wirtschaftlichen Systeme sind gerade gut zu beobachten. Kann mir jemand erklären, wie in einem der reichsten Länder der Welt, nämlich in Deutschland, die Kinderarmut steigen kann? Hier ist HANDELN angesagt, wie gesagt, zum Wohle Aller und mit dem Blick in die Zukunft!"

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