Besteht die Zukunft aus Technik?


Wenn man an Zukunft denkt, dann denkt man an Technik. Am besten Hightech muss es sein und bitte viel davon: Menschen befördernde Drohnen, interaktive Brillen, die per Gedanken gesteuert werden, selbstfahrende Autos, Roboter in der Küche oder in der Altenpflege. Wird so unsere Zukunft aussehen? Schon in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts war Monsieur Hulot als Filmfigur in der Zukunft unterwegs. Jacques Tati als Schauspieler und Regisseur  hat mit „Playtime – Tatis herrliche Zeiten“ ein filmerisches Meisterwerk geschaffen, wie ich finde. Wenn Sie diesen Film noch nicht kennen, dann möchte ich ihn als Muss beschreiben. Auf ironische Art mit typisch französischem Charme wird dort Zukunft unter anderem auch für Wohn- und Bürogebäude vorgestellt. Monsieur Hulot stolpert hier in Loriot-Manier durch die Zukunft und regt (immer schweigend, er spricht im Film keinen Satz!) dazu an, kritisch zu beleuchten, was alles so für Zukunft gehalten wird. Das Schöne ist, dass wir die damalige Zukunft von Monsieur Hulot mittlerweile kennen, da sie unsere Gegenwart ist.

Und tatsächlich hat Tati damals einiges vorausgesehen, das wirklich so eingetreten ist. Vieles aber ist von Grund auf falsch postuliert gewesen, zumal es auch natürlich absichtlich überzeichnet war. Auch heute wird mächtig überzeichnet, aber aus einem anderen Grund. Da unsere Wirtschaft wachsen muss, um die Schulden von gestern zu tilgen, muss laufend innoviert werden. Und hier bietet sich Technik an. Diese hat die Faszination des Neuen, mit dem der Verbraucher sich vom Nachbarn abheben kann und der Produzent kann weltweit damit eine Alleinstellung erreichen, die ihm Reichtum verspricht. Das ist zunächst ja nicht schlecht, nur der Irrglaube, dass alle Innovation sich immer in Technik ausdrücken muss, ist schlicht falsch.

Menschen sind nicht so dynamisch, wie wir uns dies vorstellen. Unsere Psyche und unser Wohlempfinden sind seit Jahrtausenden geprägt. Unsere Methoden, Wärme als angenehm zu empfinden, stammen aus der Steinzeit. In der Höhle war die Lufttemperatur ziemlich kalt und daher musste die Strahlungstemperatur des Feuers dagegen wirken. Erst die Römer haben mit ihrem Hypokaustensystem diesen Effekt wieder genutzt und haben erkannt, dass Strahlungswärme eine extrem behagliche Methode zur Beheizung wäre. 2000 Jahre später wurden dann Fußbodenheizung oder Betonkernaktivierung entwickelt. Viele weitere Methoden unsere Empfindung stammen also aus lang vergangener Zeit. Daher sage ich einmal voraus, dass es für die Behaglichkeit des Menschen am schlausten wäre, wir würden Gebäude bauen, die sich die Methoden bei der Natur abschauen. Tatsächlich verstellt uns hier unser Technikglaube den Blick auf die beste Lösung. Diese ist nämlich ganz einfach.

Auch unser soziales Verhalten ist durch eine lange Vorgeschichte geprägt. Nur weil Facebook Bekannte begrifflich zu Freunden macht, ändert sich an unserem Verhalten nichts. Nur der Begriff wird neu definiert. Die Zukunft der digitalisierten Kommunikation wird sich also auch an uns Menschen orientieren müssen. Technik kann bestenfalls unterstützend tätig sein.

Bei den Dingen des Geschmacks gibt es ebenso immer wieder „Rückschritte“. Der Bauhausstil aus den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts oder die Mode der 50er und sogar der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts erfahren eine Renaissance. Also auch hier geht nicht alles gleichförmig in die Zukunft. Menschen entwickeln sich deutlich langsamer, als es in den letzten Jahrzehnten zu sein scheint. Die Umstände haben sich tatsächlich dramatisch verändert. Mobilität, Kommunikation, Werte und technische Möglichkeiten haben sich wirklich höchst dynamisch entwickelt, aber wie betont, sollten wir nicht davon ausgehen, dass damit auch neue Menschen geschaffen werden.

Geht es um die Digitalisierung unserer Kommunikation und unseres Wissensaustauschs und damit um die Unterstützung unseres Lernens und Wirtschaftens, dann argumentiere ich sofort hinsichtlich des Technikeinsatzes ganz anders. Hier kann Technik nicht intelligent genug entwickelt und eingesetzt werden. Unglaubliche Möglichkeiten liegen hier immer noch vor uns und die Chance, Wissen sehr breit bis in den letzten Winkel dieser Erde zu bringen, kann zur Entwicklung der Menschheit kräftig beitragen.

Ich werbe aber dafür, einen differenzierten Blick auf technische Entwicklungen zu werfen. Hightech an der richtigen Stelle ist genial. Zuviel Technik wird aber die Komplexität unseres Lebens so stark erhöhen, dass sie mehr Problem als Lösung ist. Mein Lieblingswort Balance kommt hier wieder ins Spiel. Jede Übertreibung ist ein Irrweg. Technik in Balance mit Mensch und Natur sollte das Ziel jeden Produktes sein. Wenn Technik im verborgenen intelligent interagiert und der Nutzer die einfache Funktion genießt, dann läuft es richtig. Und warum schreibe ich das, da ich immer wieder erstaunt bin, dass Besucher unseres Bürogebäudeproduktes BOB sehr viel Technik erwarten und dann ganz überrascht sind, wie wenig Technik vorzufinden ist. Hightech sind für mich daher Systeme, die intelligente Funktionen liefern und kaum bis gar nicht wahrgenommen werden.

Bernhard Frohn

"Mich begeistern nachhaltige Lösungen, die langfristig alle zu Gewinnern machen. Einseitiges Wirtschaften zum kurzfristigen Nutzen weniger wird uns auf die Füße fallen. Das ist kein politisches Statement von mir, sondern ich behaupte, dass nur mit konsequenter Nachhaltigkeit langfristig unsere sozialen und wirtschaftlichen Systeme stabil bleiben werden. Die zunehmende Instabilität unserer sozialen und wirtschaftlichen Systeme sind gerade gut zu beobachten. Kann mir jemand erklären, wie in einem der reichsten Länder der Welt, nämlich in Deutschland, die Kinderarmut steigen kann? Hier ist HANDELN angesagt, wie gesagt, zum Wohle Aller und mit dem Blick in die Zukunft!"

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