Hör mal


Letztens waren wir in einem Restaurant mit einer großen Gesellschaft eingeladen und freuten uns, Freunde zu sprechen und das Essen zu genießen. Aus dem Sprechen wurde dann nichts. Wir haben uns angebrüllt (ich übertreibe jetzt nicht), damit unser Gesprächspartner unmittelbar gegenüber etwas verstehen konnte. Die Raumakustik war gruselig. Personen, die zwei oder drei Personen entfernt saßen, haben wir nur angelächelt, wenn die etwas gesagt haben, verstanden haben wir sie nicht. Also entweder verkaufen die Hersteller von Akustikelementen ihre Produkte sehr schlecht, oder Restaurantbesitzer hören nicht zu. Letzteres ist die wahrscheinliche Erklärung, da sie in ihrem eigenen Restaurant den Vertriebler ja gar nicht verstehen können 😉

Wenn man dann nachts nach Hause kommt, dann brummt der Schädel auch ohne Alkohol, der Tinnitus ist lauter als vorher und die Stimme ist heiser. Schön dass wir unsere Freunde wieder einmal so richtig angebrüllt hatten! Wenn man das erlebt hat, dann weiß man, wie wichtig Raumakustik ist und man kann sich leibhaftig vorstellen, dass mangelnde Raumakustik die Produktivität im Bürogebäude arg stört. Auch in Bürogebäuden ist das Thema immer noch ein eher schlecht behandeltes Thema, denn wie immer ist es eben auch ein wenig komplexer. Dazu ein paar Randbedingungen:

Gute Raumakustik setzt sich aus dem geeigneten Schalldruckpegel, der richtigen Nachhallzeit, dem richtigen Schalldämmmaß und auch dem erlaubten Trittschallpegel oder die Körperschallübertragung allgemein zusammen. Das alles ist natürlich frequenzabhängig, denn der Mensch hört hohe Töne oder tiefe Töne und diese belästigen ihn unterschiedlich. Und damit es wie so oft, wenn man in das Thema Behaglichkeit eintaucht, auch nicht zu einfach ist, gibt es Grenzwerte für die akustische Dämpfung auch nach unten. Ein schalltoter Raum, der für Messzwecke genutzt wird, ergibt ebenso eine unglaublich schlechte Akustik, da der Mensch ein bisschen Reflexion gewohnt ist. Und der Mensch will das haben, was er gewohnt ist. Wenn seine Sprache einfach so im Raum verschluckt wird, ist das unbehaglich und anstrengend, da man auch dann anfängt, lauter zu sprechen.

Der Rückschluss auf die Produktivität der Mitarbeiter ist im Bürogebäude natürlich herzustellen. Leider gibt es dazu keine mir bekannten Forschungsprojekte, wir werden wohl selbst eines initiieren (Wenn Sie ein Forschungsprojekt kennen, dann freue ich mich über einen Hinweis.). Wie hoch die Kosten der Produktivität in Bürogebäuden sind, kann schnell abgeschätzt werden. Bei einem mittleren brutto-brutto Lohn von zum Beispiel 40.000 € pro Jahr und ca. 20 m² Bürofläche/Person kostet ein Mitarbeiter im Monat 166 €/m². Sollten durch mangelnde Raumakustik der Stresspegel steigen, die Konzentration sinken oder sogar Krankheiten entstehen, so könnte die Arbeitseinschränkung zum Beispiel 5 % betragen. Das entspricht 24 Minuten pro Tag und hört sich nicht zu unrealistisch an. Diese Einschränkung der Produktivität beträgt dann 166 €/m² * 5 % = 8,3 €/m² Monat. Spätestens jetzt können wir festhalten, dass die Kaltmiete die unwichtigste Größe eines Bürogebäudes ist.

Übrigens zu der akustischen Behaglichkeit kommt noch die thermische, die optische, die chemische, die olfaktorische, die physikalische … Behaglichkeit hinzu. Ja so ist der Mensch: einfach kompliziert.

Bernhard Frohn

"Mich begeistern nachhaltige Lösungen, die langfristig alle zu Gewinnern machen. Einseitiges Wirtschaften zum kurzfristigen Nutzen weniger wird uns auf die Füße fallen. Das ist kein politisches Statement von mir, sondern ich behaupte, dass nur mit konsequenter Nachhaltigkeit langfristig unsere sozialen und wirtschaftlichen Systeme stabil bleiben werden. Die zunehmende Instabilität unserer sozialen und wirtschaftlichen Systeme sind gerade gut zu beobachten. Kann mir jemand erklären, wie in einem der reichsten Länder der Welt, nämlich in Deutschland, die Kinderarmut steigen kann? Hier ist HANDELN angesagt, wie gesagt, zum Wohle Aller und mit dem Blick in die Zukunft!"

2 thoughts on “Hör mal

    1. Sehr geehrte Frau Widmann,

      ich habe mir Ihre Seiten und die Fotos dort angesehen und bin sehr beeindruckt. Mich interessieren immer Lösungen, die auf elegantem Weg mehrere Nutzen erzeugen. Gerne komme ich bei einem passenden Projekt auf Sie zu.

      Viele Grüße sendet Ihnen
      Bernhard Frohn

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