Tiefgang oder die Last der Informationsflut


Im Sekundentakt fliegen uns die Informationen um die Ohren. Der Newsticker ist allgegenwärtig und funkt über Twitter, Facebook, XING, LinkedIn, Smartphone oder Fernsehen im Dauerbetrieb. Dabei nimmt der Gehalt der Botschaften leider nicht zu. Der Mensch reagiert zunächst recht schlau und filtert die Botschaften. Leider kommen allerdings eher die lauten und schrillen Botschaften durch. Für komplexe Zusammenhänge ist gar kein Platz mehr. Was ist zu tun?

Bevor wir die Antworten geben, muss ich noch ein wenig klagen: Tatsächlich ist es so, dass die Qualität unseres Tuns teilweise heftig abnimmt. Da jeder nur Getriebener ist, versucht er irgendwie die Bälle oben zu halten. Nachdenken und das Entwickeln von Lösungen im Zusammenhang werden jedem Mitarbeiter heute sehr schwer gemacht. Da mit der Informationsflut auch die Reaktionszeit, die heute zugestanden wird, drastisch verkürzt wird, werden aus agierenden Menschen nur reagierende. Ich meine also nicht, dass wir dümmer geworden sind, sondern ich meine, dass wir die Randbedingungen, unter denen wir arbeiten, den neuen Gegebenheiten anpassen müssen. Dringend!

Gerade die Digitalisierung unseres Alltags (bald lesen Sie die Morgennachrichten im Badezimmerspiegel) fordert uns. Wir müssen neu bewerten, was gute Arbeit ist. Nicht die tagesaktuelle Beantwortung von 50 E-Mails ist etwas wert, sondern es zählen, wie früher, die Ergebnisse unseres Tuns. In einer Wissensgesellschaft sind die Ergebnisse unseres Denkens und Handelns sogar noch wertvoller als früher. Während man früher Werte eher in Tonnen Stahl oder Beton ausdrückte, ist heute die richtige Idee zum richtigen Zeitpunkt evtl. wertvoller. Internetfirmen mit einer rudimentär entwickelten Software aber einer herausragenden Idee sind daher heute teilweise wertvoller als Konzerne. Dies mögen manche als Blase bezeichnen, aber ich denke, so allmählich wird deutlich, dass hier ernstzunehmende Wirtschaftszweige entstehen.

Es macht also durchaus Sinn, dass wir unseren Mitarbeitern Ruhe zum Nachdenken gönnen. Die Work-life-balance ist daher nicht nur eine nette Idee von Menschenrechtlern, sondern sie könnte zum Produktivitätsfaktor werden. Ausgeruhte Menschen sind eben einfach kreativer. Wenn wir unsere Mitarbeiter unter Stress setzen, dann reagieren sie. Auch damit kann man temporär Geld verdienen, aber reagierende Systeme müssen in Zukunft beweisen, dass sie auch überleben können. So manches Geschäftsfeld ist in den letzten 20 Jahren einfach verschwunden. Wohl dem, der es rechtzeitig gemerkt hat.

Wie wäre es daher, wenn wir unserem Mitarbeiter neben dem Schreibtisch, dem Stuhl und dem PC auch Rückzugsorte im Büro anbieten? Alleine schon der Ortswechsel weg von dem tagein, tagaus gleich aussehenden Arbeitsplatz ist wichtig. Unser Gehirn braucht Abwechslung, wenn es neues produzieren soll. Musik- oder Lesesessel oder auch die kreative Außenanlage sind willkommene Unterschiede zum Einerlei. Und auch die verordnete Telefon- oder E-Mail-Ruhe kann Wunder bewirken. Ständig sagen Mitarbeiter zu mir, was sie am Wochenende alles geschafft hätten, da keine Kommunikation stattgefunden hat. Haben Sie das auch schon einmal gesagt oder gehört? Wahrscheinlich ja. Daher lassen Sie uns neben Ruhezonen auch Ruhezeiten „verordnen“, damit eben nicht mehr am Wochenende gearbeitet werden muss.

Und vielleicht entsteht ja so auch wieder mehr Tiefgang, den wir dringend gebrauchen könnten. Gespräche über das neuste Smartphone bringen nicht wirklich weiter. Apropos Smartphone. Ich habe jetzt die neuste Version des Anbieters meines Vertrauens. Damit kann ich perfekte Fotos schießen und per Smart Home kann ich das Licht zu Hause ein- und wieder ausschalten. Das war ein lange gehegter Wunsch von mir. Schade ist, dass alle Telefonate in meinem Auto – per Bluetooth übertragen – nach 5 min zum Neustart des Smartphones und somit zum Absturz des Gesprächs führen. Ich rege mich dann regelmäßig darüber auf, was aber keine Gefahr für mein Herz darstellt, da ich meinen Puls per Smartphone jederzeit messen kann. Wahrscheinlich ist dies aber kein Fehler, sondern die neuste Funktion, ich sage nur Ruhezeiten! Es lebe der Fortschritt.

Bernhard Frohn

"Mich begeistern nachhaltige Lösungen, die langfristig alle zu Gewinnern machen. Einseitiges Wirtschaften zum kurzfristigen Nutzen weniger wird uns auf die Füße fallen. Das ist kein politisches Statement von mir, sondern ich behaupte, dass nur mit konsequenter Nachhaltigkeit langfristig unsere sozialen und wirtschaftlichen Systeme stabil bleiben werden. Die zunehmende Instabilität unserer sozialen und wirtschaftlichen Systeme sind gerade gut zu beobachten. Kann mir jemand erklären, wie in einem der reichsten Länder der Welt, nämlich in Deutschland, die Kinderarmut steigen kann? Hier ist HANDELN angesagt, wie gesagt, zum Wohle Aller und mit dem Blick in die Zukunft!"

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