Wie wird man zukunftstauglich?


Open Space, Desk-Sharing, Zellenbüro, Open Space, Non-territoriales Büro, Kombibüro, es gibt viele Vokabeln für das Bürogebäude von morgen. Wie werden wir arbeiten, was wird die beste Form sein? Wenn Sie mit Experten sprechen, dann sind die Befürworter von Open Space dafür und die Gegner dagegen. Ach was! Soll ich Ihnen einmal unser Geheimnis verraten? Na gut. Also ich behaupte jetzt einmal, dass niemand voraussagen kann, wie wir in 20 oder 40 Jahren arbeiten werden.

Vor 40 Jahren also im Jahr 1975 zum Beispiel gab es Schreibmaschinen. Es wurden Briefe geschrieben, die per Post verschickt wurden und die 2-3 Tage später beim Adressaten ankamen. Als kurze Erklärung für die jüngeren Leser dieses Blogs: Briefe sind E-Mails auf Papier, die noch einmal in einen Umschlag aus Papier gesteckt und dann mit einer Briefmarke beklebt wurden. Rechenschieber, eine Erfindung aus dem 17. Jahrhundert, waren noch im Gebrauch, wobei die ersten elektronischen Taschenrechner mit den Grundrechenarten versehen Einzug auf den Schreibtischen hielten. Zeichnungen wurden am Zeichenbrett stehend erstellt, man nutzte Tusche auf Pergamentpapier. Die Delete-Taste bestand aus einer Rasierklinge.

Und vor 20 Jahren im Jahr 1995 hielt das Faxgerät Einzug in die Büros und Elektronikbanking war tatsächlich per BTX möglich. Das Internet gab es nur an Unis. Rechner hießen noch XT oder AT und die Floppy Disk wurde allmählich ein wenig härter und konnte tatsächlich 1 MByte aufnehmen.

Ich glaube, ich muss nicht weitererzählen. Die Änderungen unserer Arbeitswelt sind gravierend und die Beschleunigung ist es ebenso. Das Fax wird gerade wieder abgeschafft und auch die CD verabschiedet sich langsam. Die E-Mail wird schon hinterfragt und auch hier gibt es schon wieder ganz andere Versuche der elektronischen Kommunikation, da die E-Mail Flut zur Plage wird. Wissensarbeiter verbringen 12 % ihrer Arbeitszeit mit der Bearbeitung von E-Mails, das sind 1,5 Monate pro Jahr. Die Art und Weise zu arbeiten und zu kommunizieren haben sich grundsätzlich geändert. Oh nein nicht nur zum Vorteil, aber das ist ein anderes Thema.

Wenn wir also 20 oder 40 Jahre zurückblicken, dann sehen wir, wie dynamisch sich unsere Arbeitsmethoden verändern. Das ist aber nicht alles. Hinzu kommt, dass durch die Kommunikationsmöglichkeiten und die allgegenwärtige Digitalisierung vollkommen neue Geschäftsmodelle entstehen. Prof. Günter Faltin hat in seinem Buch „Kopf schlägt Kapital“ sehr schön beschrieben, dass Geschäftsmodelle heute am Schreibtisch entstehen können. Vom Schreibtisch aus hat er das Thema Teeimport verändert. Er hat sich auf eine Teesorte spezialisiert, hat Einkauf, Verteillogistik und Vertrieb organisiert und nutzt für alle Teilschritte fertige Systeme bzw. andere Kleinunternehmen und vor allem das Internet. Was als Lehrbeispiel für seine Studenten begann, ist ein wenig „schief“ gelaufen: Sein Unternehmen ist heute Marktführer für diese Teesorte.

Und jetzt wollen wir voraussagen, wie ein Bürogebäude in 10, 20 Jahren oder 40 Jahren funktionieren wird? Wer weiß heute, welche Firmengrößen sich etablieren, wie firmenübergreifend kooperiert wird und wie diese gesamte Digitalisierung unsere Arbeit und unseren Umgang miteinander verändern wird. Also ich weiß es nicht.

Ich weiß aber eines. Wir leben in einer Zeit, für die viele zurecht behaupten, dass sich eine der größten gesellschaftlichen Transformationen mit unglaublicher Dynamik vollziehen. Daher ist Veränderung die sichere Konstante unserer nahen Zukunft. Für das Bürogebäude, in dem 50 % unserer Arbeitnehmer arbeiten, bedeutet dies auch eine Zukunft mit Veränderung. Und genau das ist es, was ein Bürogebäude heute können muss. Wir müssen ein Bürogebäude so für die Zukunft vorrüsten, dass Flexibilität für die Nutzung möglich ist und damit meine ich nicht nur das Verschieben von Wänden. Mit dynamischer Gebäudesimulation kann man zum Beispiel im Rechner prüfen, welche technischen Änderungen, welche Auswirkungen auf das Bürogebäudesystem von morgen und dessen Funktionieren nach sich ziehen. Wir können im Rechner die Nutzung variieren oder auch das Klima, das zweifelsohne wärmer werden wird. Und wir sollten voraus denken, dass unsere heute gebauten Bürogebäude ein Upgrade mit neuer Technik in 30 Jahren erfahren werden. Dies geht dann auch ohne Kernsanierung, wenn es eben vorgedacht ist.

Ich weiß, dass wir Menschen nicht in so langen Zeiträumen denken, aber für ein Gebäude, wie zum Beispiel ein Bürogebäude, dessen Lebenszyklen etliche Jahrzehnte umfasst, müssen wir dies tun, damit sich die Investition lohnt. Bürogebäude aus den 70er Jahren werden heute häufig abgerissen. Ich behaupte, das ist in der Zukunft vermeidbar, was wieder unsere Energie-, Geld und stofflichen Ressourcen mächtig schonen würde. Also liebe Baubranche: ran an die Ideen für die Zukunft. Nachhaltigkeit ist nicht nur ein Label!

Bernhard Frohn

"Mich begeistern nachhaltige Lösungen, die langfristig alle zu Gewinnern machen. Einseitiges Wirtschaften zum kurzfristigen Nutzen weniger wird uns auf die Füße fallen. Das ist kein politisches Statement von mir, sondern ich behaupte, dass nur mit konsequenter Nachhaltigkeit langfristig unsere sozialen und wirtschaftlichen Systeme stabil bleiben werden. Die zunehmende Instabilität unserer sozialen und wirtschaftlichen Systeme sind gerade gut zu beobachten. Kann mir jemand erklären, wie in einem der reichsten Länder der Welt, nämlich in Deutschland, die Kinderarmut steigen kann? Hier ist HANDELN angesagt, wie gesagt, zum Wohle Aller und mit dem Blick in die Zukunft!"

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s