Das Büro auf dem Lande


Die Urbanisierung ist im vollen Gange. Wir fliehen vom Land in die Stadt. Dort gibt es Arbeitsplätze, kurze Wege und ein größeres Bildungs- und Kulturangebot. So schreiben es brav die Studien und manche scheinen auch schon einmal rechts und links fleißig abzuschreiben. Und was macht das Büro?

Schauen wir uns einmal Deutschland an. Der Mittelstand ist der größte Arbeitgeber, er bietet innovative und vor allem stabile Arbeitsplätze und er hat erkannt, dass die Mitarbeiter die wichtigste Quelle ihres Erfolges sind. Wo sitzt der größte Arbeitgeber Deutschlands? Da fällt mir Herzogenaurach ein, Zuffenhausen, Walldorf, Aurich, Montabaur, Lüdenscheid und so manches kleines Städtchen im Schwarzwald oder dem bergischen Land. Vor kurzem war ich im Sauerland in einem süßen grünen und unscheinbaren Tal, da sitzen 5 von 7 Marktführern ihrer Branche. Nein, die sind nicht so bekannt wie das Silicon Valley, aber die Menschen verdienen dort Geld, sind innovativ und fühlen sich wohl. Und das spannende ist, dass Asien und andere boomende Märkte von diesen Dörfern exakt gleich weit weg sind wie von Stuttgart, München oder Hamburg. Und daher nutzt der Mittelstand auch fleißig die Globalisierung als Quelle des Erfolges.

Wenn also jetzt alle in die Stadt ziehen, dann pendeln die bald aufs Land? Wie immer liegt die Wahrheit in der Mitte. Ich vermute aber, dass das Thema Urbanisierung bei uns in Deutschland endlich ist. Fragt man den Mittelstand auf dem Land, dann erfährt man, dass auf dem Land der Mitarbeiter eben einfacher zu halten sei. Man erfährt weiter, dass die Wohn- und Arbeitsplätze hier attraktiver sind und dass es weniger Hektik und Umweltbelastung gibt. Das alles macht die Mitarbeiter gesünder, fokussierter und dadurch auch motivierter. Sind Sie schon einmal in Stuttgart morgens vom Stadtrand in die Stadtmitte mit dem Auto zum Arbeitsplatz gependelt? Sie sollten es einmal tun, um zu verstehen, warum Studien nachweisen, dass Pendler am ehesten krank werden.

Es gibt noch einen Trend. Wir arbeiten schon heute und in Zukunft deutlich virtueller. Unser Arbeitsplatz ist das Büro, der Zug, die Lounge an Verkehrsknotenpunkten oder auch einmal das Leihbüro in einer anderen Stadt. Da spielt es keine Rolle mehr, wo das Headquarter wirklich sitzt. Und wenn Ihre Branche es verträgt, dass Ihre Adresse unbekannt ist, dann werden Sie gerne auch das Büro auf Grundstücken errichten, die bezahlbar sind. Ihr Grünflächenplaner kann sich dort richtig austoben, so dass die frische Luft den Mitarbeitern auf dem Campus um die Nase weht.

Also liebes Land: In meinen Augen gibt es große Hoffnung für Dich! Die EDV ist schon heute virtuell und per Videokonferenz vom Smartphone oder Notebook aus, bin ich an jedem Ort für mein Umfeld bestens erreichbar. Natürlich treffen wir neue Ansprechpartner eher persönlich und gerne auch in der Großstadt im Mietbüro. Arbeiten aber kann man hervorragend auf dem Land. Dort könnten ja moderne Bürogebäude entstehen, die dann von mehreren kleinen Firmen gemeinschaftlich genutzt werden. Was hierdurch wieder an Synergie entsteht, ist unglaublich.

Dabei sollten diese Bürogebäude aber wirklich innovativ sein und neben der gesundheitsfördernden Umgebung über eine Infrastruktur mit zum Beispiel Medientechnik verfügen, die heute nur in Großstädten realisiert wird. Das Hauptargument für Unternehmen aufs Land zu ziehen oder dort zu bleiben kann nämlich nicht die günstige Kaltmiete sein.

Dazu eine kleine überraschende Rechnung: Ein Mitarbeiter kostet im Jahr pro Quadratmeter Bürofläche ca. 2.500 € an Gehalt. Mietet der Unternehmer Flächen in einem sehr guten Bürogebäude an, kostet der Arbeitsplatz incl. der Kaltmiete 2.700 €/a. Entscheidet er sich hingegen für eine Billigimmobilie mit schlechtem Raumklima und billiger Ausstattung zahlt er 2.600 €/a.

Merken Sie den Unterschied? Richtig, der ist gering.

Sollte der Mitarbeiter also nur geringfügig produktiver sein, weil er sich im besseren Büro wohler fühlt, dann ist die Kaltmietendifferenz schnell wieder amortisiert. Die Kaltmiete ist eben nur ein vergleichsweise kleiner Kostenblock. Daher sollte auch das Bürogebäude auf dem Land ein zukunftsweisendes Konzept haben, das den Menschen und seine Produktivität in den Mittelpunkt stellt. Es rechnet sich.

So nun freue ich mich auf Ihre Kommentare. Was denken Sie, flüchten wir in die Stadt, auf das Land oder doch vor der Arbeit 😉

Bernhard Frohn

"Mich begeistern nachhaltige Lösungen, die langfristig alle zu Gewinnern machen. Einseitiges Wirtschaften zum kurzfristigen Nutzen weniger wird uns auf die Füße fallen. Das ist kein politisches Statement von mir, sondern ich behaupte, dass nur mit konsequenter Nachhaltigkeit langfristig unsere sozialen und wirtschaftlichen Systeme stabil bleiben werden. Die zunehmende Instabilität unserer sozialen und wirtschaftlichen Systeme sind gerade gut zu beobachten. Kann mir jemand erklären, wie in einem der reichsten Länder der Welt, nämlich in Deutschland, die Kinderarmut steigen kann? Hier ist HANDELN angesagt, wie gesagt, zum Wohle Aller und mit dem Blick in die Zukunft!"

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