Balance ist das neue Spitzenprodukt


Extremleistung ist gefragt. Der schnellste, der höchste, der größte… ohne Extremleistung kommt kein Produkt mehr aus. Und so versteigt sich ein jeder in Superlativen, bei denen die Realität häufig nicht mithalten kann. Das ist das eine. Das andere ist, dass Extremleistung häufig gar nicht optimal, also gut ist. Das muss erklärt werden! Extremleistung ist nicht extrem gut??

Also wenn Sie im 100 m Lauf Olympiasieger werden wollen, dann gebe ich Ihnen den Tipp, dass Sie schneller als der Rest laufen sollten. Sehen Sie, schon wieder etwas gelernt. Sie werden insbesondere dann der Schnellste sein, wenn Sie so Anfang 20 wären, täglich dafür trainieren, sich richtig ernähren und auch sonst diesem einen Ziel alles opfern. Gesundheitsschäden sind leider sehr wahrscheinlich, Freunde werden Sie auch nur bei Kollegen finden und Ihre Jugend verläuft sehr einseitig. Schon manch ein Spitzensportler fand sich nach seiner Karriere in einem tiefen Loch wieder.

Wenn Sie das höchste Gebäude der Welt bauen wollen, dann sollten Sie sehr hoch bauen. Die Baukosten sollten Ihnen egal sein, die Brandschutzproblematik werden Sie lösen müssen, Sie sollten einen der besten Statiker beauftragen und Sie benötigen 234 Sonderfachleute. Der Brandschutz und weitere Themen werden Ihnen das Leben so richtig schwer machen. Wer will eigentlich solche Gebäude mit Ausnahme der Investoren?

Soll ich weiter machen?

Extremleistung geht häufig zu Lasten anderer Eigenschaften und daher ist diese Spitze so gar nicht Spitze. Extremleistung ist übrigens Testosteron-gesteuert. Und sollten Sie es noch nicht gemerkt haben, die Welt wird weiblicher. Sogar die Herren der Schöpfung sehen, dass sie mit extremem Machtstreben bestenfalls einzelnen oder sich selbst dienen. Ich bin ja auch so ein Testosteron-Besitzer, aber ich merke zum Glück mit zunehmendem Alter, dass ein wenig Gelassenheit aufkommt. Und eben die Erkenntnis, dass die Balance die wahre Spitzenleistung ist.

Die Natur ist mit Balance-Prozessen erstaunlich erfolgreich und hat lange überlebt, wobei auch hier ab und zu etwas kaputt geht, aber dann doch eher in Zeiträumen von Millionen Jahren. Die Menschen haben sich hier weniger Zeit mit ihren Extremleistungen gelassen. Also wie wäre es, wenn wir einmal über Balance nachdächten?

Das höchste Bürogebäude der Welt ist nicht sinnvoll, denn wir haben noch ausreichend Grundstücksflächen für Bürogebäude. Unsere stofflichen und energetischen Ressourcen hingegen lassen merklich nach. Sollte man daher solch einen Riesenaufwand betreiben? Peak-Oil, also die maximale Erdölförderung pro Tag, erreichen wir in Kürze. Und ein Hochhaus hat den 10-15 fachen Energiebedarf pro Flächeneinheit (nein kein Schreibfehler) als zum Beispiel unser Balanced Office Building BOB.

Ich werde meinen Vortrag über BOB in der 35. Etage eines Hochhauses in Frankfurt am Main nicht vergessen: Als der Betreiber des Hochhauses stolz die kleinen Energiewerte seines Gebäudes nannte. Ich wollte nach ihm beinahe gar nicht mehr vortragen, da ich mich nicht traute zu sagen, dass 1/20 Energieaufwand pro Flächeneinheit auch ausreiche, um dem Nutzer beste Aufenthaltsqualität in einem Bürogebäude zu bieten.

Neben Peak-Oil gibt es auch „Peak-Komplexität“. Macht es Sinn, das Smartphone mit den meisten Funktionen der Welt zu bauen? Oder muss ein PKW mir wirklich meine E-Mails vorlesen? Und muss ein gefangener Lachs aus Norwegen wirklich nach China zur Bearbeitung transportiert werden, um dann in Europa verkauft zu werden? Und haben Sie schon einmal ein Bürogebäude mit zwei Heizsystemen, zwei Kühlsystemen und zwei Verteilsystemen (ist heute normal) auf seine Sinnhaftigkeit überprüft und seinen Energieverbrauch nachgemessen? Sie werden Ihr blaues Wunder erleben, wenn Sie dies täten. Alles außer Balance.

Beschleunigung ist auch so ein Thema außerhalb jeder Balance. Zum einen sollte jeder gelernt haben, dass Beschleunigung den Energiebedarf überproportional negativ beeinflusst und zum anderen überholen wir uns mit unserer Hektik und Oberflächlichkeit in manchem Meeting rechts und links selbst. Das macht krank! Ja, tatsächlich kann ich heute in kurzer Zeit zu einem weit entfernten Meeting reisen, das dann leider nicht vorbereitet ist, da der Veranstalter keine Zeit hatte es vorzubereiten. So schnell hatte ich noch nie Zeit vergeudet. Echte Extremleistung.

Wie wäre es stattdessen mit Balance? Wie wäre es, wenn wir Systeme erdenken, die gut, einfach und beherrschbar sind? Wie wäre es, wenn wir die Investitions- und die Folgekosten von Systemen gleichzeitig im Blick hätten und ausbalancieren? Billig wäre dann gestrig. Auch Design könnte doch mit Funktion Frieden schließen. Vielleicht könnten die beiden miteinander reden und einen Kompromiss eingehen. Und neben der Beschleunigung empfehle ich ab und zu die gleichmäßige Fahrt. Da lässt sich manchmal ganz kreativ nachdenken.

Und ein Traum wäre auch noch, dass wir die Interessen aller Beteiligten in Balance bringen. Warum muss in der Baubranche immer einer verlieren? Warum muss sich der Bauherr mit Nachträgen herumschlagen, warum gibt es dennoch eine so erschreckend hohe Insolvenzquote in der Branche und warum badet der Nutzer später im Meer der Unzulänglichkeiten der Planung und Umsetzung?

Na, jetzt aber genug gemeckert. Das klingt ja fast nach Testosteronschub. Daher kommen wir jetzt zum Schlussplädoyer: Liebe Geschworenen der Vernunft! Ich bitte Sie, die Balance von der Langweiligkeit freizusprechen. Geben Sie ihr die Chance nachzuweisen, dass Balance die neue Extremleistung ist. Da gab es schon einmal einen ziemlich genialen Entwickler namens Steve Jobs. Der hat Einfachheit mit Flexibilität und Funktionsvielfalt gepaart und hat gezeigt, wie perfekt sich vermeintlich unvereinbare Eigenschaften kombinieren lassen. Dass die Geräte seiner Firma allerdings bei einem Glasbruch nicht repariert sondern weggeschmissen werden, ist noch ein Haken im System. Und auch die Produktionsmethoden lassen sich wohl noch ein wenig nachhaltiger gestalten.

Ich plädiere aber insgesamt für Freispruch für die Balance und die Extremleistung sollte sich einmal vor dem hohen Gericht der Vernunft verantworten.

Vive la Balance!

 

Sehen Sie hierzu auch unseren Erklärfilm für Gebäude in Balance:

Bernhard Frohn

"Mich begeistern nachhaltige Lösungen, die langfristig alle zu Gewinnern machen. Einseitiges Wirtschaften zum kurzfristigen Nutzen weniger wird uns auf die Füße fallen. Das ist kein politisches Statement von mir, sondern ich behaupte, dass nur mit konsequenter Nachhaltigkeit langfristig unsere sozialen und wirtschaftlichen Systeme stabil bleiben werden. Die zunehmende Instabilität unserer sozialen und wirtschaftlichen Systeme sind gerade gut zu beobachten. Kann mir jemand erklären, wie in einem der reichsten Länder der Welt, nämlich in Deutschland, die Kinderarmut steigen kann? Hier ist HANDELN angesagt, wie gesagt, zum Wohle Aller und mit dem Blick in die Zukunft!"

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