Betriebsklimawandel


„In unserem Unternehmen herrscht dicke Luft.“, „Das Gespräch lief in eisiger Atmosphäre ab.“, „Das Projekt erscheint unter schlechten Licht.“, „Die Diskussion war sehr hitzig.“ Es gibt zahlreiche Aussprüche, in denen das Betriebsklima mit Begriffen des Raumklimas in Verbindung gebracht wird. Ist das Zufall? Natürlich nicht. Schließlich haben beide Worte das Wort Klima in sich. Was steckt dahinter? Wagen wir gleich die Schlussfolgerung. Offensichtlich geht der Volksmund (und er spricht viele Wahrheiten aus) davon aus, dass Raumklima und Betriebsklima einen Zusammenhang haben. Wenn also das Raumklima schlecht ist, dann ist auch bei bestem Betriebsklima das Klima im Unternehmen gestört. Und genauso reicht ein gutes Raumklima nicht aus, wenn das Betriebsklima nicht stimmt. Es gibt also in beiden Richtungen Handlungsbedarf und ganz wichtig, die beiden Themen sind untrennbar.

Nun möchte ich einmal etwas frech behaupten, dass das Raumklima relativ leicht optimiert werden kann, wenn man sich einmal ausführlich mit den Behaglichkeitskriterien und deren Interdependenzen beschäftigt. Bei unserem Bürogebäudeprodukt BOB haben wir dies über Jahre hinweg getan und haben so das Raumklima optimiert. Ich darf das so schreiben, da wir über unsere Online-Nutzerbefragung Rückmeldungen über einen langen Zeitraum gesammelt haben, deren Aussagen eindeutig sind.

Wie aber sollen wir als Entwickler eines Bürogebäudeproduktes das Betriebsklima beeinflussen? Was ist eigentlich ein gutes Betriebsklima? Um diese Fragen zu beantworten, sollte man sich auch die unterschiedlichen Generationen, die in einem Büro zusammenwirken, genauer ansehen. Während zum Beispiel die Baby-Boomer gerne noch den Ellenbogen einsetzen, um sich Platz zu verschaffen, fordert die Generation Y, also die nach 1981 geborenen, regelrecht die privaten Aktionen am Arbeitsplatz. live@work ist ein Motto dieser Generation. Lesen Sie dazu auch den Artikel aus dem Februar 2014, den ich hier nicht wiederholen will. Sucht man neben den Unterschieden nach Gemeinsamkeiten aller Generationen so stellt sich heraus, dass Vertrauen eine der wesentlichen Grundlagen für ein gutes Betriebsklima ist. Tatsächlich ist den Mitarbeitern in Büros nicht das Gehalt, nichts das Statussymbol und nicht die Funktion das Wichtigste sondern der Zusammenhalt zwischen den Mitarbeitern und auch zur Chefetage hat eine sehr große Bedeutung. Um ein Vertrauensklima aufbauen zu können, muss ich wissen, dass Fehler verziehen werden, dass Kritik konstruktiv gemeint ist und dass nicht hinter meinem Rücken getuschelt wird.

Transparenz ist daher ein wichtiger Baustein zum Aufbau einer Vertrauenskultur. Transparenz ist wieder ein zweideutiger Begriff, der sich in Kommunikationsabläufe aber auch in Architektur übersetzen lässt. Und hier kann das Bürogebäude wieder helfen. Ein dunkler, langer Flur mit rechts und links geschlossenen Türen sorgt eher für einen Rückzug der Mitarbeiter als eine transparentere Bauweise mit zentralen Treffpunkten. Auch der Einblick in Büros über Glasschwerter oder -scheiben ist hilfreich. Zwar müssen sich ältere Semester evtl. daran gewöhnen, wer aber erst einmal in einem hellen, transparenten Büro gesessen hat, will es nicht mehr missen. Und diejenigen, die sich zwingend zurückziehen müssen, um in Ruhe zu arbeiten, finden im modernen Bürogrundriss auch nicht transparente Rückzugsmöglichkeiten. Heute ist nicht mehr der einzelne Arbeitsplatz mein Büro, sondern es werden flexibel nutzbare Zonen angeboten, in denen man sich trifft oder einmal ganz alleine telefoniert oder arbeitet. Das alles geht übrigens nicht zu Lasten der Flächeneffizienz, wie man meinen möchte. Alle Erfahrungen mit modernen Bürokonzepten sind ausnahmslos positiv, wenn Fachleute am Werk waren.

Und für diejenigen die immer noch meinen, das sei alles zu teuer, sei betont, dass ein Neubau-Bürogebäude 2000 €/m² kostet und dass ein Mitarbeiter mindestens auch 2.000 €/m² kostet. Dabei gibt es den kleinen Unterschied, dass die Löhne jährlich zu bezahlen sind. Investitionen in ein gutes Raumklima und Betriebsklima (ab jetzt wissen wir, dass dies nur in Kombination funktioniert) sind daher extrem wirtschaftlich und ein billiges Bürogebäude ist extrem teuer und genau genommen unbezahlbar. Es ist überraschend, dass immer noch so viele Billigbauten realisiert werden und dass tagelang über 3 % der Baukosten oder der Kaltmiete diskutiert und verhandelt wird, als wären alle anderen Themen schon gelöst. Die Personalkosten betragen 1.000 % der Investitionskosten in 10 Jahren, ich muss es einfach noch einmal anders schreiben.

Und noch ein Gedanke zum Abschluss: Ein wirklich vorgestriger Chef, der aber auch in einem hellen, transparenten Büro mit gutem Raumklima meint, mit Methoden der Frühzeit der Industrialisierung ein Unternehmen führen zu können, kann durch das Bürogebäudekonzept natürlich nicht verändert werden. Da der demographische Wandel aber dazu führt, dass sich die Mitarbeiter (nicht nur die besten) demnächst ihren Arbeitsplatz werden aussuchen können, werden solche Chefs dann bald auch alleine in ihren Büros sitzen. Dann herrscht einvernehmliche Ruhe und diese unfähigen Mitarbeiter sind endlich alle weg. Das spart Geld und so löst sich manches Problem ganz von selbst. Das nenne ich Betriebsklimawandel und der Klimawandel ist nicht aufzuhalten.

Bernhard Frohn

"Mich begeistern nachhaltige Lösungen, die langfristig alle zu Gewinnern machen. Einseitiges Wirtschaften zum kurzfristigen Nutzen weniger wird uns auf die Füße fallen. Das ist kein politisches Statement von mir, sondern ich behaupte, dass nur mit konsequenter Nachhaltigkeit langfristig unsere sozialen und wirtschaftlichen Systeme stabil bleiben werden. Die zunehmende Instabilität unserer sozialen und wirtschaftlichen Systeme sind gerade gut zu beobachten. Kann mir jemand erklären, wie in einem der reichsten Länder der Welt, nämlich in Deutschland, die Kinderarmut steigen kann? Hier ist HANDELN angesagt, wie gesagt, zum Wohle Aller und mit dem Blick in die Zukunft!"

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