Das war kein Elfmeter, das habe ich genau gesehen!


Ist das Leben nicht herrlich? Nein was habe ich mich über den Elfmeter im Spiel Brasilien gegen Kroatien aufgeregt. Das musste man doch sehen, so eine Fehlentscheidung. Und spätestens in der 3. Zeitlupe hatte ich auch raus, dass der Elfmeter für Spanien keiner war. Noch einmal musste ich mich aufregen. Heeerrrrlich. Wissen Sie was das beste daran ist? Ich bin nicht schuld. Ich kann mich über etwas aufregen, mit dem ich nichts zu tun habe. Heeeerrrrliiich, ich war es nicht. Unter uns gesagt: Wenn meine Fehlentscheidungen, die ich bisher in meinem Berufsleben getroffen habe, als Schiedsrichter erfolgt wären, dann würde jetzt Schottland Weltmeister werden. Sie meinen die sind gar nicht dabei? Ja, sag ichs doch, schon wieder eine Fehlentscheidung.

Wie könnte man eigentlich Fehler vermeiden? Da gäbe es zum einen die überaus stabile und von sehr vielen erfolgreich angewandte Methode, nichts zu wagen und nichts zu tun. Perfekt. Wir machen alles wie gestern und wenn doch einmal etwas passieren sollte, dann können wir es gar nicht gewesen sein, denn wir haben uns ja quasi nicht bewegt und die gestern haben das ja auch schon so gemacht. Die Politik, die Schiedsrichter, das Management, das Klima eben alles, was sich exponiert, ist dann schuld. Wir nicht.

Gut, ich würde dies Abseitsstellung nennen. Wer nichts wagt, steht im Abseits, im Abseits eines möglichen Erfolges. Und wer im Abseits steht, der kann eben keine Tore schießen, denn der Schiedsrichter, dieser Versager, hat gepfiffen und das Spiel unterbrochen. Sie meinen das wäre nur Story. Oh nein. Vor kurzem wurden wir zu einem großen Immobilienbestand gerufen und sollten dort als Gutachter zum Thema Energieeffizienz tätig werden. Dachten wir. Als wir vor Ort waren, wurde uns von den Mitarbeitern klar gemacht, dass man schon alles wüsste und schon alles getan hätte. Man suche nur einen Gutachter, der das den duseligen Chefs da oben einmal bestätigen würde. Schon beim groben Rundgang sahen wir Sparpotentiale bis zum Abwinken. Wir haben dann auch freundlich gewunken zum Abschied. Wenn das die duseligen Chefs wüssten 😉

Wir sollen also etwas wagen, wir sollen neue Wege gehen, will ich das damit sagen? Mit verlaub, ja. Wie können wir Probleme lösen mit Methoden von gestern, die gestern auch schon nicht funktioniert haben? Wie können wir Dinge ändern in einer Kultur des Stillstands, der Absicherung, des Bloßnichtsfalschmachens? Wir werden es nicht können.

Daher brauchen wir eine Fehlerkultur in diesem Lande und erst recht in der Baubranche, wenn es zum Beispiel um Bürogebäude der Zukunft geht. Mit Fehlerkultur meine ich zunächst einmal die Kultur des Qualitätsmanagements. Viele reden darüber, aber wenig wird getan. In der Baubranche muss ja immer billig gebaut werden, da die Phantasie der Schaffenden nur dieses Argument zulässt. Daher ist kein Geld für diesen Schnickschnack vorhanden. Foul, böses Foul mit eingeschwungener Blutgrätsche. Wir müssen den Bauherren klar machen, dass billig Bauen so funktioniert, dass billige Arbeitskräfte und billige Produkte genutzt werden und dass auf detaillierte Planung verzichtet wird. Von Forschung und Entwicklung wollen wir gar nicht sprechen. Wie soll billig Bauen sonst funktionieren? Wissen Sie wo die billigsten Fußballspieler spielen? Genau in der Kreisliga. Nachhaltigkeit adieu.

Mit Fehlerkultur meine ich aber auch Systeme, die Fehler aushalten. Durch eine Risikoanalyse bekommt man heraus, was passiert, wenn der Gegner versucht, den tödlichen Pass zu spielen und was wir dagegen tun sollten. Wie können beim Bauen Zeitpuffer eingefügt werden, ohne das Bauen zu verlängern? Wie können Schnittstellen organisiert werden, so dass hier keine Fehler passieren? Wie kann die Gebäudefunktion im vorhinein optimiert werden und wie können Nutzereinflüsse minimiert werden? Auf alles gibt es plausible Antworten von schlauen Menschen. Man muss nur zuhören und zur Änderung bereit sein. Viele sind das, man muss sie nur suchen.

Und zur Fehlerkultur gehört auch, dass wir die Mutigen anfeuern, dass wir sie unterstützen, neue Wege zu gehen und ja auch Fehler zu machen. Wer wagt, gewinnt, ist so ein alter Spruch, der etwas Wahres in sich trägt. Aber irgendwie nehmen die Zuschauer von der Anzahl her zu und die Schiedsrichter oder mutigen Spieler ab. Seien Sie mutig, treffen Sie Fehlentscheidungen und stehen Sie dazu.

Und noch zum Abschluss: Vielleicht könnte jemand diesen japanischen Schiedsrichter anrufen (mein japanisch hat einen schweren Akzent) und ihm das Folgende sagen. Er hat viel gewagt, hat das Eröffnungsspiel in voller Verantwortung gepfiffen und er hat Mist gebaut. Und dann sagen Sie ihm bitte, dass wir uns alle nur so aufregen, weil das eben Spaß macht, weil wir endlich einmal das Gefühl haben, dass die Anderen doch alles Schwachköpfe sind, was wir doch eigentlich schon immer gewusst hätten. Der japanische Schiedsrichter soll das aber bitte nicht so ernst nehmen. Und wenn er sich rächen will, dann soll er Baustellen oder Planungsrunden besuchen. Er wird sich dann wundern, wie wenige Fehlentscheidungen beim Fußball passieren.

Und warum schreibe ich das? Ich möchte die Bauherren motivieren, angemessen zu investieren. Der billigste kann nicht dieselbe Qualität realisieren. Die versteckten Fouls kommen bei einem Millionenprojekt den Bauherren teuer zu stehen. Und ich möchte die guten Architekten, die guten Planer, die guten Bauunternehmen und die guten Produkthersteller motivieren, an ihrem Weg der Qualität festzuhalten und sich nicht dem Dumping zu ergeben, das letztendlich allen schadet, auch dem Bauherren, der vermeintlich Geld gespart hat. Und die guten gibt es in wachsender Zahl, zumindest sind sie in unserem BOB-Partnernetzwerk und es macht Spaß, mit diesen Partnern das Bauen neu zu erfinden.

Bernhard Frohn

"Mich begeistern nachhaltige Lösungen, die langfristig alle zu Gewinnern machen. Einseitiges Wirtschaften zum kurzfristigen Nutzen weniger wird uns auf die Füße fallen. Das ist kein politisches Statement von mir, sondern ich behaupte, dass nur mit konsequenter Nachhaltigkeit langfristig unsere sozialen und wirtschaftlichen Systeme stabil bleiben werden. Die zunehmende Instabilität unserer sozialen und wirtschaftlichen Systeme sind gerade gut zu beobachten. Kann mir jemand erklären, wie in einem der reichsten Länder der Welt, nämlich in Deutschland, die Kinderarmut steigen kann? Hier ist HANDELN angesagt, wie gesagt, zum Wohle Aller und mit dem Blick in die Zukunft!"

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