Sebastian Vettel oder Wie optimiere ich ein System?


Wie optimiert man eigentlich ein System? Schauen wir uns einen PKW an. Ein Reifen mit guten Rolleigenschaften und schon ist der PKW effizient. Leider nicht. Versuchen wir es anders. Ein Motor mit geringem Benzinbedarf, aber jetzt müsste es doch klappen mit der Effizienz. Tja auch noch weit gefehlt. Und wie wäre es mit einer Karosserie mit winzigem Luftwiderstand? Auch nicht schlecht. Aber Sie ahnen schon, es handelt sich um ein Gesamtsystem und das funktioniert nicht so einfach als die Summe seiner Teile. Wenn der oben beschriebene Motor ein hocheffizienter Motor für einen Formel 1 Boliden von Sebastian Vettel ist, dann liegt die Vermutung nahe, dass der Kleinwagen im Stadtverkehr, damit nicht gut funktioniert. Gut, Sie würden der erste an der nächsten roten Ampel sein, aber diese ständigen Reifenwechsel und das ständige Nachtanken würden halt nerven.

Reifen, Motor, Karosserie, Regelung usw. das System muss aufeinander abgestimmt sein. Jedes System hat seine Teilwirkungsgrade und funktioniert bei Voll- und Teillast deutlich anders. Wenn Sie von Hamburg nach München mit einem Mittelklassewagen konstant ohne anzuhalten mit 90 km/h fahren, dann könnten Sie mit 3,7 l/100 km Benzinverbrauch auskommen. Wenn Sie die Strecke aber in derselben Zeit hinter sich bringen, in dem Sie die eine Hälfte der Zeit mit 20 km/h und die andere Hälfte mit 160 km/h fahren, verdoppelt sich der Energiebedarf bei demselben Nutzen, obwohl Ihr System doch eigentlich optimiert war. Und wenn Sie jetzt noch die Strecke mit Stadt- und Landstraßenfahrten mischen, dann steigt der Benzinbedarf munter weiter.

Die Praxis ist halt doch immer ein wenig komplizierter, als man es gerne hätte. Und daran liegt es auch, dass Bürogebäude, die wir nachmessen, so gar nicht funktionieren. Energiekosten, Behaglichkeit und auch die Lebenszykluskosten sind eben nicht so schön linear aus den einfachen Annahmen abzuleiten. Man nehme ein bisschen Wärmedämmung mit einer Prise regenerativer Energie und dann müsste es doch schon klappen. Wer daran glaubt, der soll uns einmal nachmessen lassen.

Wie aber optimiert man jetzt das Bürogebäude der Zukunft? Zunächst einmal durch die gesunde Mischung aus Systemintegratoren und Spezialisten. Diese Kombination optimiert die Einzelsysteme und setzt sie in Beziehung zueinander. So wird manche Einzeloptimierung leicht verändert werden müssen, um in das Gesamtsystem zu passen. Eine Wärmepumpe zum Beispiel, die in einem Gebäude funktionieren würde, das nach Energieeinsparverordnung 2009 gebaut wurde, paßt so gar nicht in ein Bürogebäude der Zukunft, wie das Balanced Office Building. Und neben Energieeffizienz gibt es ja noch Flächeneffizienz und geringe Folgekosten und optimales Raumklima und optimales Licht und optimale Raumakustik und optimaler Trittschallschutz und optimale Luftqualität und gutes Design und einfache Bedienbarkeit und Langlebigkeit und … uns fällt noch einiges ein, was im Zusammenhang bei Bürogebäuden optimiert werden muss.

Die Systemintegration funktioniert durch komplexe mathematische Vorausberechnungsmethoden und – da es hier und da dann einfach zu komplex wird – durch einen Langzeittest. In dem Langzeittest werden Daten durch ein Monitoring gesammelt und diese Daten schaffen die Grundlage für weitere Optimierungen. Wir arbeiten gerade daran, wie man diese Optimierung dann noch zum Beispiel durch Data- Mining automatisieren kann, so dass sich das komplexe System irgendwann kybernetisch selbst organisiert. Das wäre einfach klasse und wir denken, es ist möglich.

So erschließt sich für Sie wahrscheinlich, wie es sein kann, dass Vettels Auto derzeit nach 4 Weltmeisterschaften in Folge plötzlich so schlecht funktioniert? Etliche Millionen werden hier für die Entwicklung dieses einen Autos ausgegeben, da müsste man doch eigentlich im Vorfeld wissen, wie es funktioniert, oder? Und dann werden durch die FIA, die zentrale Organisation der Formel 1, einfach 2-3 kleiner Regeländerungen vorgenommen und das System versagt und Vettel fährt hinterher? So scheint es zu sein.

Übrigens bei Bürogebäuden der Zukunft gibt es auch eine FIA, die über das Jahr gesehen ständig Regeländerungen vornimmt. Diese nennt sich KLIMA.

Bernhard Frohn

"Mich begeistern nachhaltige Lösungen, die langfristig alle zu Gewinnern machen. Einseitiges Wirtschaften zum kurzfristigen Nutzen weniger wird uns auf die Füße fallen. Das ist kein politisches Statement von mir, sondern ich behaupte, dass nur mit konsequenter Nachhaltigkeit langfristig unsere sozialen und wirtschaftlichen Systeme stabil bleiben werden. Die zunehmende Instabilität unserer sozialen und wirtschaftlichen Systeme sind gerade gut zu beobachten. Kann mir jemand erklären, wie in einem der reichsten Länder der Welt, nämlich in Deutschland, die Kinderarmut steigen kann? Hier ist HANDELN angesagt, wie gesagt, zum Wohle Aller und mit dem Blick in die Zukunft!"

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