Spitzenleistung, wir würden ja gerne, aber…


900 % – Meinen wir es wirklich ernst oder sind wir nicht zuständig?

Was für eine phantastische Welt! Alle reden in der Immobilienbranche von Nachhaltigkeit, alle reden von Energie- und Ressourceneffizienz und jeder macht mit. Jeder? Ja, verbal macht jeder mit.

Entschuldigen Sie die Ironie, aber ich ärgere mich maßlos und würde eine ganze Branche und ihre Kunden gerne wachrütteln. Wie kann es sein, dass wir alle über ein zentrales Thema reden, aber nicht den Anspruch haben, zu überprüfen, ob wir mit unseren Aktionen auch wirklich etwas erreichen? Energieeffizienz ist in diesem Komplex das Paradebeispiel, wenn man mangelnde Wirksamkeit aufzeigen will. Denn Energie kann man per Energiemonitoring nachmessen. Wenn man also ein Bürogebäude der Zukunft beispielsweise energieeffizient bauen möchte, dann bräuchte man nur ein paar Messuhren und schon könnte man Fehler erkennen und im Nachhinein korrigieren. Man wüsste Bescheid. Tatsächlich hat nur jedes tausendste Bürogebäude ein Energiemonitoring. Eine lobende Würdigung in Fach- oder sogar Tagespresse, in der die Nachhaltigkeit gerühmt wird, hat aber beinahe jedes halbwegs größere neu errichtete Gebäude. Und ein Nachhaltigkeitssiegel nach einem Punktesystem zum Preis einer stattlichen Limousine prangt auch immer öfter außen gut sichtbar an diesen „effizienten“ Gebäuden.

Wo ist unser hoher technischer Anspruch geblieben? Wo ist unser Ehrgeiz auch den Beweis für Spitzenleistungen bei dem Thema Nachhaltigkeit zu bringen? Einstein, Heisenberg, Diesel, die Liste genialer deutscher Physiker und Ingenieure ist lang. In der Immobilienbranche scheint sich aber der Anspruch eher an Mittelmäßigkeit zu orientieren. Hier reichen schon Trostpflaster wie Photovoltaik oder Wärmepumpe und schon nennt man das Konzept nachhaltig. Nachmessen? Nein das müssen wir nicht.

„Für die Energiekosten sind wir nicht zuständig, das ist ein anderes Amt.“, sagte mir im Jahr 2014 der Projektleiter eines kommunalen Großprojektes. Wir sind nicht zuständig? Wer ist denn dafür zuständig, wenn unsere Nachfolgegenerationen keine bezahlbare Energie mehr hat? Ok, die Anderen. Dann ist es ja nicht so schlimm.

Und noch einmal das Jahr 2014, 45 Jahre nach der ersten bemannten Mondlandung: Bei einem 100 Mio. € großen Neubau einer wissenschaftlichen Einrichtung ist kein Geld für Energiedesign vorhanden. „Ja wir wissen, dass das sinnvoll wäre und wir wissen auch dass sich das rechnet“, sagte mir der Projektleiter, „aber wissen Sie, die da oben geben uns kein Geld. Da können wir auch nichts machen.“ Ok, dann ist es ja nicht so schlimm.

Nein, wir nehmen es noch nicht ernst. Es ist noch nicht annähernd angekommen, welche Aufgaben wir vor uns haben. Dramatische Verwerfungen in Politik, Wirtschaft, Demografie und Ressourcenverfügbarkeit stehen vor uns. Nur wenige fühlen sich dabei zuständig. Und erst wenn alle Gebäude auch einen Bordcomputer haben, der die Wahrheit wie beim PKW anzeigt, dann glaube ich daran, dass auch die Immobilienbranche die Zeichen der Zeit erkannt hat.

Investoren, Projektentwickler, Architekten, Ingenieure, Bauunternehmen fühlt Euch bitte alle angesprochen! Sollen wir etwas wirklich neues schaffen, sollen wir die Welt ein klein wenig besser machen, sollen wir das Bürogebäude der Zukunft bauen und sollen wir vielleicht auch den nachgemessenen Beweis erbringen?

Und lieber Mieter, die Ihr nachher die Unzulänglichkeit eines nicht überprüften Konzeptes mit Euren Nebenkostenüberweisungen ausbadet, wehrt Euch. Fordert das Energiemonitoring! Euren EDV-Strom müsst Ihr schon bezahlen, aber Heizung, Kühlung, Lüftung und Beleuchtung sollte Euch effizient geliefert werden.

Ah, da habe ich mich aber schön aufgeregt und Sie mussten das auch noch lesen. Warum rege ich mich eigentlich so auf? Ganz einfach, weil unsere nachgemessenen Neubauten in der Regel den doppelten Energiebedarf ausweisen. In Worten zweihundert Prozent. Das „Spitzenobjekt“ hat es auf 900 % gebracht. Können Sie jetzt verstehen, warum ich das Energiemonitoring fordere?

So das hat aber gut getan. Da habe ich es ja mal allen gesagt. Und wenn mir keiner zuhört, dann bin ich ja nicht schuld. Dann sind es doch die Anderen. Wusste ich es doch.

Bernhard Frohn

"Mich begeistern nachhaltige Lösungen, die langfristig alle zu Gewinnern machen. Einseitiges Wirtschaften zum kurzfristigen Nutzen weniger wird uns auf die Füße fallen. Das ist kein politisches Statement von mir, sondern ich behaupte, dass nur mit konsequenter Nachhaltigkeit langfristig unsere sozialen und wirtschaftlichen Systeme stabil bleiben werden. Die zunehmende Instabilität unserer sozialen und wirtschaftlichen Systeme sind gerade gut zu beobachten. Kann mir jemand erklären, wie in einem der reichsten Länder der Welt, nämlich in Deutschland, die Kinderarmut steigen kann? Hier ist HANDELN angesagt, wie gesagt, zum Wohle Aller und mit dem Blick in die Zukunft!"

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