Von drauß vom Walde komm ich her…


Nein es handelt sich nicht um eine Weihnachtsgeschichte, sondern um einen weiteren Gastbeitrag zum Bürogebäude der Zukunft, mit dem Sie vielleicht hier nicht gerechnet haben:

Gastbeitrag von Susanne Pretsch, Landschaftsarchitektin
www.s-pretsch.de

Wo fängt ein Bürogebäude an?

Montag früh. Es ist wie immer knapp vorm Termin. Die Hausnummer haben Sie bei nebeligem Dezemberwetter erst ganz spät gesehen. Nun einen Parkplatz suchen. Haben die hier welche für Besucher? Oder komme ich mit dem Taxi, Fahrrad, Bus? Wo ist der Eingang? Warum ist das so hässlich hier …?

Der erste Kontakt mit einem Bürogebäude – und mit Ihren Gesprächspartnern – ist außen. Noch bevor die ersten Pappkärtchen getauscht werden, hat Ihr Besucher einen Eindruck. Nicht nur ein Gebäude begrüßt Sie – mit teurem Material, im schlechtesten Falle protziger Architektur oder schlichter Masse. Den ersten Fuß setzen Sie auf einen ansprechenden Eingangsweg, es begrüßt Sie ein gut markierter Eingang, ein bequemer Parkplatz oder sogar blühende Pflanzen – wenn nicht gerade Dezember ist – aber auch da haben Landschaftsarchitekten so ihre Tricks.

Freiraum und Außenanlagen eines Bürogebäudes der Zukunft haben viele Funktionen. Die bedeutenden sind: die Visitenkarte des ersten Eindrucks und die Nutzbarkeit für die Mitarbeiter.

Die Menschen, die ins Gebäude wollen, müssen den Eingang leicht erreichen. Der Weg dorthin verschmilzt funktional mit dem Eingang. Der Weg – auch vom Parkplatz – setzt die ersten Pflöcke, auch für das erste Gespräch. Was fällt auf? Ein schöner Stein, eine ungewöhnliche Pflanze, eine Skulptur? Oder ist es Müll, Desorientierung, ein schlechter Zustand oder einfach nur monotone Lieblosigkeit?

Mitarbeiter machen Pausen. Und auch der Blick geht beim Arbeiten gern mal nach draußen. Der Mensch sucht in unnatürlicher Umgebung den Blickkontakt zum Natürlichen. Die meisten zieht es nach draußen. Sprechen wir im Inneren also von Behaglichkeit, so findet das außen selbstverständlich seine Entsprechung.

Die Nutzungsüberlagerungen im Freiraum eines Bürogebäudes sind oft extrem. Flächen, Wege, Eingänge, Parkplätze, Vorrichtungen für Elektromobilität, für Müllcontainer und Fahrräder werden gefordert. Gestalterische Wünsche vermengen sich mit ökologischen Anforderungen. Stichworte sind Entsiegelung, aber auch verordnete Versiegelung, Regenwasserversickerung, Fassaden- und Wandbegrünungen. Oft müssen Bäume als Ersatzmaßnahme gepflanzt werden. All dies kann den Freiraum für die Erholung einschränken.

Das Bürogebäude der Zukunft muss sein inneres auch nach außen spiegeln. Wir müssen Orte für Menschen schaffen, die zu uns kommen und auch bleiben möchten. Ein guter Arbeitsplatz hat auch immer etwas mit der Qualität des Ortes zu tun. Und jeder Ort hat auch ein draußen, sei das auch noch so klein. Leider vergessen das viele Investoren, Arbeitgeber und Architekten.

Sein inneres nach außen zu spiegeln, hat auch mit ökologischen Qualitäten zu tun. Ein nachhaltiges Gebäude verlangt auch einen nachhaltig gestalteten Freiraum. Dies drückt sich in der Wahl der Materialien aus. Sind sie recyclingfähig oder gar bereits recycelt? Kommt der Granit aus Deutschland oder mussten Kinderhände in Indien ihn behauen? Muss es wirklich blauer Kunststoff sein oder findet man auch ein ortstypisches, seit Jahrhunderten verbautes Material der Region? Nachhaltigkeit bedeutet auch kostengünstige Pflege. Wie schafft man es, dass der Hausmeister die Anlage nicht in Kürze mit gewagten Scherenstreichen zerstört?
Und auch im Freiraum muss nicht jedes Detail neu erfunden werden. Erprobtes kann auch an einem neuen Ort eine eigene Attraktivität entfalten.

Das Gebäude der Zukunft fängt natürlich außen an! Es ist aber nur nachhaltig mit einer mit dem Gebäude korrespondierenden, wirtschaftlichen Landschaftsarchitektur.

Bernhard Frohn

"Mich begeistern nachhaltige Lösungen, die langfristig alle zu Gewinnern machen. Einseitiges Wirtschaften zum kurzfristigen Nutzen weniger wird uns auf die Füße fallen. Das ist kein politisches Statement von mir, sondern ich behaupte, dass nur mit konsequenter Nachhaltigkeit langfristig unsere sozialen und wirtschaftlichen Systeme stabil bleiben werden. Die zunehmende Instabilität unserer sozialen und wirtschaftlichen Systeme sind gerade gut zu beobachten. Kann mir jemand erklären, wie in einem der reichsten Länder der Welt, nämlich in Deutschland, die Kinderarmut steigen kann? Hier ist HANDELN angesagt, wie gesagt, zum Wohle Aller und mit dem Blick in die Zukunft!"

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