Was haben Bürogebäude 2013 und der Golf 1 gemeinsam?


Behaglichkeit ist subjektiv und eigentlich ist man dem bösen Nutzer ja sowieso hilflos ausgesetzt als Gebäudebetreiber, so sagen es viele. Aber das ist falsch. Da gab es doch das Thema Statistik. Menschen sind unterschiedlich groß, aber statistisch kann man erfassen, dass 29 % aller Frauen zwischen 165 und 169 cm und nur 0,2 % zwischen 185 und 189 cm groß sind. Schaut man sich die Verteilung der Größe bei Männern und Frauen an, so entsteht die berühmte Gaußsche Glockenkurve.

Haben Sie sich mit dem Thema Gaußsche Glockenkurve schon einmal beschäftigt? Noch nicht, dann will ich Ihnen das empfehlen. Die Ausbeutung von Erdölfeldern, die Größe von Frauen und Männern, die Verteilung des Intelligenzquotienten, die Schwankung von Aktienkursen sie alle bilden Gaußsche Glockenkurven. Faszinierend oder? Was steckt dahinter?

Und das soll jetzt bei der Behaglichkeit anders sein? Natürlich nicht. Auch hier gibt es Gaußsche Glockenkurven und Statistik. Diverse DIN-Normen haben hier empirische Vorarbeit geleistet. Die alte DIN 1946 oder die DIN EN ISO 7730 sind perfekte Beispiele für Angaben von statistischen Verteilungen des Behaglichkeitsempfindens zum Beispiel in Bürogebäuden. Wer diese und ca. ein Dutzend weitere Normen genau studiert, der erkennt die Lösungen für ein Bürogebäude der Zukunft.

Was aber ist Behaglichkeit im Büro? Jetzt wird es vielschichtig. Der Mensch ist ein kompliziertes Wesen und erfasst sehr viele Aspekte seiner Umgebung davon einige auch vollkommen unbewusst. Lufttemperatur, Strahlungstemperatur, Empfindungstemperatur, Temperaturdifferenzen (fachmännisch Temperaturasymmetrie genannt), Lichtfarbe, Leuchtdichte, Kontrast, Luftqualität, Luftgeschwindigkeit, Luftfeuchtigkeit wollen Sie noch mehr hören? Alle Aspekte und noch mehr wirken auf die Behaglichkeit ein. Dabei wird es noch gemeiner für den geneigten Bürogebäudeentwickler. Die Psyche stellt jetzt auch noch Querbeziehungen her, die es physikalisch gar nicht gibt. So ist in einer großen statistischen Untersuchung eindeutig und wiederholt nachgewiesen worden, dass ein geringes Angebot an Tageslicht den Menschen die Luftqualität als schlecht empfinden lässt. Eine dunkle Hölle riecht eben schnell muffig und das ist in unserem Gehirn so verankert.

Sollen wir jetzt kapitulieren? Natürlich nicht. Man kann behagliche Bürogebäude schaffen, das zeigen einige Beispiele, bei denen auch die Nutzer später befragt wurden, deutlich. Wir müssen uns allerdings ein wenig wissenschaftlich und statistisch mit Behaglichkeit beschäftigen. Dann resultieren daraus klare Erkenntnisse für die Behaglichkeit von Mann und Frau, die übrigens sehr unterschiedlich ist. Diese Erkenntnisse münden dann in technischen und bauphysikalischen Systemen, die aufeinander abgestimmt sind. Balanced würde man neudeutsch dazu sagen..

Wenn ich kurz ein wenig böse zur Bauwirtschaft werden darf, dann lesen Sie das Folgende: Die PKW-Industrie forscht am Klang, mit der eine Tür zufällt, am Geruch eines Neuwagens, an der Lichtstimmung im Innenraum oder an der Luftverteilung der Klimaanlage. Im Unterschied dazu sind 99% der Bürogebäude im Jahr 2013 mit dem Golf 1 vergleichbar. Vier Räder, Lenkrad und ein Motor. Liebe Kollegen in der Bauwirtschaft hier ist Platz nach oben für Spitzenleistung!

Bernhard Frohn

"Mich begeistern nachhaltige Lösungen, die langfristig alle zu Gewinnern machen. Einseitiges Wirtschaften zum kurzfristigen Nutzen weniger wird uns auf die Füße fallen. Das ist kein politisches Statement von mir, sondern ich behaupte, dass nur mit konsequenter Nachhaltigkeit langfristig unsere sozialen und wirtschaftlichen Systeme stabil bleiben werden. Die zunehmende Instabilität unserer sozialen und wirtschaftlichen Systeme sind gerade gut zu beobachten. Kann mir jemand erklären, wie in einem der reichsten Länder der Welt, nämlich in Deutschland, die Kinderarmut steigen kann? Hier ist HANDELN angesagt, wie gesagt, zum Wohle Aller und mit dem Blick in die Zukunft!"

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