Was verbindet Dirk Nowitzki mit der Nachhaltigkeit?


Des Rätsels Lösung ist der Rebound. Damals als ich noch jung war, habe ich tatsächlich einmal Basketball im Verein gespielt. Den Rebound zu holen, war eine gefeierte Aktion. Dabei ging es um den Abpraller, der vom eigenen Brett nach einem Fehlversuch der gegnerischen Mannschaft abgefangen wurde. Dummerweise gibt es auch bei der Nachhaltigkeit den Reboundeffekt, von dem ich heute berichten möchte.

Menschen sind schon merkwürdige Wesen. Sie sind hochintelligent, erfinden unglaubliche Dinge und nutzen diese dann nicht wirklich. Effizienz ist ein solches Thema. Dazu ein paar Beispiele.

Die LED ist extrem energieeffizient im Vergleich zur Glühbirne. Auch wenn sie derzeit noch teurer ist, ist sie aufgrund ihrer Lebensdauer und weiterer Entwicklungsschritte das Beleuchtungssystem der Zukunft. Mit der Begründung der hohen Effizienz werden jetzt Fassaden, Brücken und viele Werbetafeln mit LED beleuchtet, die vorher auch ohne Beleuchtung auskamen. Das ist ja kein Problem, denn die LED ist ja effizient, sagen die Befürworter! Hören Sie den Basketball nach einem vergeblichen Wurfversuch vom Brett abspringen?

Das nächste Beispiel. Ein VW Golf der ersten Generation hatte einen Benzinverbrauch von ca. 6 l/100 km. Heute 30 Jahre später sieht dies in der Realität (nur nachgemessene Werte zählen) nur leicht besser aus. Natürlich weiß ich, dass der Golf heute Klimaanlage, elektrische Fensterheber, adaptives Kurvenlicht, Sitzheizung, Stereoanlage mit 8 Lautsprechern + 35 Elektromotoren für weitere Details hat. Im Grunde genommen ist ein Auto aber geschaffen worden, um von A nach B zu fahren, zumindest war das einmal so. Diesen Nutzen haben wir trotz Hochtechnologie und deutlich höherem Preis nicht wirklich effizienter gestaltet. Auch hier würde Dirk Nowitzki den Rebound locker abräumen. Wurf verfehlt.

Und noch ein Beispiel. der Wärmedämmstandard im Wohnungsbau hat sich verbessert. Insofern benötigen wir im Durchschnitt schon heute deutlich weniger Energie pro Quadratmeter als vor 30 Jahren. Das ist doch schon einmal eine positive Nachricht. Wenn da nicht das kleine Detail wäre, dass wir heute mehr Quadratmeter Wohnfläche pro Bewohner haben. Der Energiebedarf ist daher pro Person gestiegen und nicht gesunken. Und wieder steigt Dirk Nowitzki in schwindelerregende Höhen und räumt locker den abprallenden Ball ab. Ja gibt es denn gar keinen Treffer mehr?

Der Reboundeffekt ist keine aktuelle Wortschöpfung, sondern dessen Entdeckung geht auf das 19. Jahrhundert zurück. Als erster hat William Stanley Jevons den Effekt 1865 in seinem Werk The Coal Question beschrieben:

„It is wholly a confusion of ideas to suppose that the economic use of fuel
is equivalent to a diminished consumption. The very contrary is the truth.“

(Anzunehmen, dass die wirtschaftliche Nutzung von Brennstoffen
mit einem geringeren Verbrauch einhergeht, ist eine völlige
Begriffsverwirrung. Das genaue Gegenteil ist der Fall.)

Daher wird der Reboundeffekt auch unter dem Begriff Jevons’ Paradoxon geführt. Haben Sie schon davon gehört? Wahrscheinlich nein. Es gibt Wahrheiten, die werden einfach verschwiegen, dabei geht es um maßgebliche Effekte. Brauchen Sie noch einen Beweis für diese These? Falls ja, dann schauen Sie sich bitte die zahlreichen Presseartikel zum Thema Energieeffizienz und anschließend die Entwicklung des Weltenergiebedarfs an. Sind Sie jetzt überzeugt, dass einmal wieder der Wurf auf den Korb daneben ging. Und auch wenn Sie sich isoliert den Energiebedarf einzelner Länder anschauen, sollten wir uns nicht zu früh freuen. Es ist doch klar, dass der Energiebedarf in Deutschland nur langsam steigt oder ab und zu fällt, wenn wir unsere Produktion nach Asien verlagern. Isolierte Betrachtungen führen nicht zum Ziel.

Tatsächlich ist es nicht leicht eine Energieeffizienztechnologie zu finden, die nicht einem Mehrverbrauch gegenübersteht. Gesamtkonzepte sind hier der Schlüssel zum Erfolg. Das Bürogebäude der Zukunft gibt sich nicht mit Energieeffizienz alleine zufrieden, denn diese wird in der Praxis meist nicht realisiert. Flächeneffizienz, Energieeffizienz, eine Fülle an Qualitätssicherungsmaßnahmen, Energiemonitoring und eine intelligente Schnittstelle mit hoher Akzeptanz zwischen Mensch und Bürogebäude für die Bedienung von Beleuchtung, Heizung, Kühlung und Lüftung müssen realisiert werden. Das ist nicht ganz trivial und benötigt jahrelange Forschungsarbeit, vor allem auch was das Verhalten der Menschen anbetrifft. Denn diese müssen mitgenommen werden. Wenn wir nicht jedem erklären, dass unsere Zukunft von GELEBTER Effizienz abhängt, dann kann auch die beste Technik und die beste Regelung und Steuerung nichts ausrichten.

Was für Dirk Nowitzki ein Erfolg ist, sollten wir vermeiden. Reboundeffekte verhindern, dass Effizienz wirksam wird. Wir können uns vieles leisten, eines jedoch nicht: den aktuellen Umgang mit unseren begrenzten Ressourcen weiter dynamisch fortzuführen. Das ist keine Panikmache, sondern kann einfach in den nächsten Jahren beobachtet werden. Handeln wäre aber besser.

Bernhard Frohn

"Mich begeistern nachhaltige Lösungen, die langfristig alle zu Gewinnern machen. Einseitiges Wirtschaften zum kurzfristigen Nutzen weniger wird uns auf die Füße fallen. Das ist kein politisches Statement von mir, sondern ich behaupte, dass nur mit konsequenter Nachhaltigkeit langfristig unsere sozialen und wirtschaftlichen Systeme stabil bleiben werden. Die zunehmende Instabilität unserer sozialen und wirtschaftlichen Systeme sind gerade gut zu beobachten. Kann mir jemand erklären, wie in einem der reichsten Länder der Welt, nämlich in Deutschland, die Kinderarmut steigen kann? Hier ist HANDELN angesagt, wie gesagt, zum Wohle Aller und mit dem Blick in die Zukunft!"

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