Die Antwort auf Komplexität…


ist Einfachheit. Was ist eine der herausragenden Leistungen von Steve Jobs? Die Reduktion. 2-3 Knöpfe fertig ist das iPad. Wer hätte sich das getraut? Und jetzt kommt das kleine Wunder. Die zahlreichen Apps machen das iPad wieder komplex und vielfältig. Wer es also einfach mag, der lädt ein App und wer ein wenig mehr mag, der lädt sich Apps bis zum Abwinken herunter.

Das Bürogebäude der Zukunft teilt diese Philosophie. Wenig Technik und einfache Bedienbarkeit sind das oberste Gebot. Sie kennen diese Ausgeburten schlechten Technikdesigns. Die Beleuchtung spielt verrückt, die Außenjalousie reagiert auf jede Wolke und die Klimaanlage ist nicht in den Griff zu bekommen. Planer, Techniker, Gutachter rätseln über die Ursachen und geben irgendwann auf.

Ich erinnere mich gerne an den Nutzer eines Büros, der mir bei der Gebäudebegehung erzählte, dass ihm nicht behaglich sei, obwohl er doch schon ausführlich experimentiert hatte. Sein Büro besaß ein Fenster, das er öffnen konnte, einen Heizkörper mit Thermostatventil und das unsägliche Kühlgeräte oberhalb der Tür. Jetzt kommt, was kommen musste, ich schwöre die Geschichte ist wahr. Der Nutzer berichtete mir stolz, dass er jetzt eine Einstellung gefunden habe, die ihn in etwa zufriedenstellt. Dabei wird das Fenster auf Kipp geöffnet, das Thermostatventil auf 2,5 gestellt und das Kühlgerät wird auf Stufe 2 zugeschaltet. Als ich diese Schilderung gehört hatte, war ich sprachlos, wobei mein Gegenüber wahrscheinlich den Segen eines Energieeffizienzbischofs erwartet hatte. Hier versagte ich.

Wer dem Nutzer zwei aktive Systeme und dann noch ein Fenster als drittes System zum Temperieren anbietet, der darf sich über Energievernichtung bitte nicht beschweren. Nach meiner groben Schätzung sind hier 200 – 300 % Energie einzusparen. Gar nicht nachdenken möchte ich über die Zeit, die der Nutzer mit seinen Experimenten verbracht hat.

Und die Moral aus der Geschicht. Selbstverständlich muss ein Nutzer in sein Gebäude und in sein Raumklima eingreifen können, aber bitte in Maßen. Das Bürogebäude der Zukunft muss vorausschauend konzipiert sein, so dass der Nutzereingriff nicht zur Erhöhung des Energiebedarfs führt. Und weiterhin dürfen dem Nutzer nicht dutzende Knöpfe, Systeme und Entscheidungen angeboten werden, denn diese führen zur Verwirrung.

Was dem ein oder anderen vielleicht noch neu ist, ist die Tatsache, dass auch zwei Heiz- und/oder Kühlsysteme in einem Gebäude auch schon ein komplexes System darstellen. In dem Fall entscheidet nur eine Regelung darüber, welches System aktuell genutzt werden soll. Geht es nur um die Grundversorgung mit Wärme oder Kälte so fällt die Auswahl leicht. Meist aber handelt es sich bei modernen Bürogebäuden um ein fossiles und ein regeneratives System. Hier geht es um hohe Laufzeiten für das teure regenerative System und um Umschaltung auf das fossile System, sobald das regenerative ineffizient und unwirtschaftlich wird. Wo aber ist dieser Punkt? Wer meint, dass diese Frage leicht beantwortet werden kann, der sollte bitte nachmessen. So trivial ist es nicht. Die PKW-Industrie steckt gerade Millionen Euro in die Erforschung des richtigen Hybridantriebes (zwei Motoren Elektro und Benziner) und findet allmählich Lösungen. Hier hat die Bauindustrie noch etwas vor sich. Und so wundert es nicht, dass wir moderne Bürogebäude vermessen, deren Energiebedarf um den Faktor zwei oder auch vier zu hoch ist oder deren regeneratives System noch keine Sekunde im Betrieb war, da die Regelung falsch programmiert ist.

Einfachheit ist das Gebot für Bürogebäude der Zukunft. Genau das macht es so schwierig.

Bernhard Frohn

"Mich begeistern nachhaltige Lösungen, die langfristig alle zu Gewinnern machen. Einseitiges Wirtschaften zum kurzfristigen Nutzen weniger wird uns auf die Füße fallen. Das ist kein politisches Statement von mir, sondern ich behaupte, dass nur mit konsequenter Nachhaltigkeit langfristig unsere sozialen und wirtschaftlichen Systeme stabil bleiben werden. Die zunehmende Instabilität unserer sozialen und wirtschaftlichen Systeme sind gerade gut zu beobachten. Kann mir jemand erklären, wie in einem der reichsten Länder der Welt, nämlich in Deutschland, die Kinderarmut steigen kann? Hier ist HANDELN angesagt, wie gesagt, zum Wohle Aller und mit dem Blick in die Zukunft!"

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