Wie viel Dämmung braucht der Mensch?


Brauchen wir überhaupt eine Wärmedämmung oder geht es auch ohne? Die Frage ist überraschend und noch überraschender ist, wie oft sie gestellt wird. Bauphysik ist eine der Wissenschaften, die klare Antworten geben kann. Bauphysik ist berechenbar. Per Gebäudesimulation können sogar jahreszeitliche Einflüsse unterschiedlicher Bauphysik perfekt vorhergesagt werden. Daher nehmen wir es gleich vorweg. Selbstverständlich macht eine Wärmedämmung Sinn. Ein schlecht gedämmtes Gebäude verliert eben viel Wärme, da der Wärmeübergang von innen nach außen vereinfacht wird. Nur wer die ökonomisch und ökologisch kostenlose Wärme erfunden hat, der kann hier anders vorgehen. Wobei, da gibt es ja auch noch die Kältestrahlung, aber dazu später mehr.

Ist jetzt mehr Dämmung besser als weniger? Hier kommen die Zweifler endlich zum Zuge. Nein das ist es nicht unbedingt. Die Art der Nutzung eines Gebäudes ist für die Beantwortung der Frage maßgeblich. Ein Bürogebäude hat zahlreiche Nutzer mit Computern, Beamern, diversen Transformatoren oder Lampen, die alle fleißig Wärme abgeben. Das Bürogebäude der Zukunft hat daher eher ein Kühl- denn ein Heizproblem. Wird jetzt die Dämmung immer dicker, dann sinkt zwar der sowieso schon geringe Heizwärmebedarf, aber die Auskühlung des Gebäudes vor allem in der Nacht wird immer schlechter. Daher steigt der Kühlenergiebedarf, wenn die Dämmdicke übertrieben wird. Und Kühlung ist nicht gerade die billigste und ökologischste aller Energieformen, wenn sie nicht gerade aus natürlichen Quellen gewonnen wird.

Was also im Wohnungsbau mit 2 Nutzern auf 100 m² noch unkritisch ist, wir bei einem Bürogebäude mit 7 Nutzern pro 100 m² zu einer Herausforderung. Wie wird das Gebäude gekühlt und welche Dämmdicke ist die richtige, um Kühlenergie- und Heizenergiebedarf zu optimieren? Das ist endlich wieder eine Herausforderung für die Gebäudesimulation. Mittels einer ganzjährigen Simulation werden alle Effekte realistisch abgebildet, so dass eine sinnvolle Dämmdicke gewählt wird. Logisch ist dabei natürlich, dass die Dämmdicke bei den Bürogebäuden vom Standort und dem dort herrschenden Klima wesentlich abhängt. Zwischen Hamburg und Freiburg liegen hier schon nicht nur räumlich Welten.

Die Simulation kennt übrigens auch den Faktor Zeit. Unterschiedliche Wärmedämmmaterialien haben nämlich unterschiedliche Koeffizienten der Eindringgeschwindigkeit. Eine Dämmung zum Beispiel, die mit 8 h Zeitverzögerung reagiert, ist für ein Bürogebäude optimal. Die Mittagswärme um 12:00 Uhr kommt so um 20:00 Uhr im Gebäude an, wenn schon kein Nutzer mehr da ist. Das Gebäude beginnt dann wieder durch die kältere Außenluft auszukühlen. Ja jetzt wird es wieder kompliziert, aber wozu haben wir die Gebäudesimulation? Die liefert Antworten auf komplexe Fragestellungen an ein komplexes System.

Apropos Gebäudesimulation. Die Verfechter des Weglassens von Wärmedämmung vergessen gerne die niedrige Strahlungstemperatur der Fassade bei fehlender Dämmung. Diese führt zu einer niedrigen Empfindungstemperatur, die der Nutzer mit dem Hochdrehen der Heizung beantwortet. Da jedes °C höherer Raumlufttemperatur in etwa 6 % mehr Heizenergiebedarf bedeutet, hat fehlende Wärmedämmung auf zweifachem Weg einen Mehrbedarf an Energie zur Folge. Zum einen geht Wärme durch die Wand verloren und zum anderen wird der Nutzer eine höhere Raumlufttemperatur benötigen. Auch das lässt sich übrigens bestens simulieren, denn die Simulation sagt auch die Behaglichkeit voraus.

Fassen wir zusammen. Bauphysik eignet sich nicht wirklich für Glaubensfragen. Es gibt genügend Fragen zwischen Himmel und Erde, die zum Philosophieren einladen. Bauphysik eignet sich dafür nicht. Aber eines ist sicher. Auch mit Bauphysik lassen sich erstaunliche Lösungen kreieren, wenn eben alle Aspekte Berücksichtigung finden. Das so genannte passive Gebäudeverhalten ist hiermit gemeint. Wie wäre es denn, wenn die Bauphysik so optimiert wäre, dass möglichst häufig der Einsatz von Technik überflüssig ist? Das wäre toll und Bürogebäude der Zukunft, wie der BOB, setzen auf dieses Prinzip.

 

Bernhard Frohn

"Mich begeistern nachhaltige Lösungen, die langfristig alle zu Gewinnern machen. Einseitiges Wirtschaften zum kurzfristigen Nutzen weniger wird uns auf die Füße fallen. Das ist kein politisches Statement von mir, sondern ich behaupte, dass nur mit konsequenter Nachhaltigkeit langfristig unsere sozialen und wirtschaftlichen Systeme stabil bleiben werden. Die zunehmende Instabilität unserer sozialen und wirtschaftlichen Systeme sind gerade gut zu beobachten. Kann mir jemand erklären, wie in einem der reichsten Länder der Welt, nämlich in Deutschland, die Kinderarmut steigen kann? Hier ist HANDELN angesagt, wie gesagt, zum Wohle Aller und mit dem Blick in die Zukunft!"

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