Green IT oder Green Washing


Bei Green IT denke ich immer an Serverschränke mit rankendem Efeu, an Computer, die am Ende ihrer Lebensdauer zu Humus zerfallen und an Stromkabel, aus denen grüner Strom auf den Teppich tropft. Wir sollten mit unserem Marketing ein wenig haushalten.

Natürlich gibt es heute phantastische Lösungsansätze für sparsamere EDV-Systeme, aber EDV ist und bleibt ein Ressourcenfresser. Übrigens auch das Fahren eines energieeffizienten PKW´s oder der Neubau eines hochenergieeffizienten Bürogebäudes der Zukunft alle Dinge sind nicht nachhaltig, sondern bestenfalls nachhaltiger als andere Lösungen.

Warum schreibe ich das? Weil gerade Green IT mir ein wenig zu sehr betont wird. Die EDV Branche möge es mir bitte verzeihen. Aber ich habe Beweise. Mein Handy vor 5 Jahren hatte 4-5 Tage Akkulaufzeit. Bei meinem Smartphone heute bin ich froh, wenn es den Abend erlebt. Natürlich mache ich mit dem Smartphone deutlich mehr, was letztendlich aber zählt, ist die nüchterne Bilanz, ob wir nun Energie sparen oder vielleicht doch mehr verbrauchen. Ein nächster Beweis: die Wolke. Bei unserer heutigen beruflichen Mobilität (das wird auch noch ein Thema in diesem Blog) ist die Wolke – cloud computing – einfach klasse. Immer ist alles verfügbar. Das Teilen von Dateien mit anderen ist kein Problem, und die Datensicherheit nimmt für die meisten Firmen auch zu. Wenn gerade Mittelständler wüssten, wie einfach ihre Server gehackt werden können, dann wäre die cloud populärer. Aber spart sie Energie? Das muss arg bezweifelt werden, denn die Datenmenge wächst.

Zu Zeiten, in denen der Arbeitsspeicher so groß wie heute ein einziges pixeliges Bild war, kamen wir mit Festplatten von 40 MByte aus. Aus dem M war kurze Zeit ein G geworden und heute sprechen wir über TByte. Auch wenn die Speicher effizienter sind, so steigt dennoch der Energiebedarf für die Speicherung drastisch. Und ein Speicher, der immer verfügbar ist, benötigt eben mehr Energie als die gute alte CD-ROM.

Fassen wir zusammen. Die Firma Google betätigt sich mittlerweile als Energieversorger, da der Energiebedarf alleine für diese Firma einer Großstadt entspricht. Absolut gesehen steigt der Energiebedarf für unsere EDV. Gott sei Dank gibt es Ideen und Lösungen zum Green IT, sonst würde er eben noch stärker steigen. Also wir sind dankbar für jede Idee im Bereich Green IT, aber wir schauen bitte dennoch der Tatsache ins Auge, dass der Energiebedarf weiter steigt. Jetzt wissen Sie, warum mir der Begriff Green IT zu niedlich ist. Ein bißchen weniger krank ist eben nicht gesund.

Kommen wir zum Bürogebäude der Zukunft zurück. Das Bürogebäude der Zukunft verfügt natürlich über eine EDV. Die Serverschränke, die noch im Haus verbleiben, werden dabei mit Wasser gekühlt und die Wärme wird zum Heizen der Gebäude genutzt. Das ist keine große Kunst mehr, wenn das Gesamtkonzept des Bürogebäudes passt. Kleine Vorlauftemperaturen zum Heizen, gute Bauphysik und weitere Eigenschaften sind notwendig, um eine sinnvolle Integration zu ermöglichen. Sollten wir also einmal alle Server in die cloud stellen, dann wäre das gar nicht praktisch. Serverfarmen wissen nicht wohin mit der Wärme und müssen mit viel Energie gekühlt werden. Dabei wird dann elektrisch Energie zur Kühlung genutzt, um Wärmeenergie wegzukühlen, die aus elektrischer Energie stammt. Hört sich nicht gut an und ist auch nicht gut. Daher wäre mein Wunsch für die Serverfarm, dass sie virtuell aufgebaut wäre. Die Server sollten also bitte vernetzt werden und im Bürogebäude verbleiben. Technisch ist das kein Problem.

Das Terminal-Server System ist eine weitere ellegante Energieeinsparung. Dabei hat jeder Mitarbeiter seinen Rechner als virtuellen Rechner auf einem zentrale Server. Das vereinfacht zum einen die Administration und sorgt zum anderen dafür, das ein beinahe funktionsloses Terminal die Nutzerschnittstelle darstellt. Das Terminal überträgt nur Bildschirminhalte, die eigentliche Arbeit erfolgt auf dem zentralen Server. So können Anwendungen vom Terminal im Büro geöffnet, mit dem iPad im Zug weiterbearbeitet und mit dem Smartphone während der Taxifahrt gespeichert werden. Das Terminal benötigt keine Festplatte und ist auch sonst extrem sparsam hinsichtlich des Energieverbrauchs. Wer das System einmal genutzt hat, wird Fan nicht nur aus energetischen Gründen.

Ein weiteres Thema für ein intelligentes Bürogebäude sind farbige Steckdosen. Nein die sparen zunächst einmal keine Energie, aber sie ermöglichen das Energiemanagement. Wenn konsequent das Stromkabel für alle EDV-Anwendungen in eine Farbe der Steckdosen gesteckt wird, dann kann der Bedarf an elektrischer Energie für EDV überwacht und optimiert werden. Rufen Sie zum Beispiel einen Wettbewerb zwischen den Büroetagen aus und spendieren Sie einen symbolischen Preis, so werden Sie merken, dass die Nutzer anfangen, die Geräte auch auszuschalten. StandBy ist einer der großen Energiebedarfe. Tatsächlich können aber schaltbare Steckdosen diesen unnützen Bedarf auf 0 reduzieren. Die einfache Lösung wäre dabei per Hand eine Steckdosenleiste zu schalten und die bessere Lösung funktioniert per Gebäudesystemtechnik. So werden abends, wenn die Alarmanlage scharf geschaltet wird, alle blauen Steckdosen automatisch abgeschaltet. Das spart und zwar nicht wenig.

Und zum Abschluss muss noch ein kleiner Seitenhieb auf alle Transformatoren erfolgen. Die gesamte EDV funktioniert mit Schwachstrom. Strom aus der Steckdose wird also für das Smartphone, das Festnetztelefon, das iPad, den Desktop und und und wieder auf Schwachstrom heruntergeregelt. Wenn Sie diese kleinen Transformatoren anpacken, dann sind sie wunderbar heiß. Das ist ein Energieverlust, der unnötig ist. Und warum ist das so? Weil Geld gespart wird. Es gibt bereits sehr sparsame Transformatoren, aber die Anbieter auch teurer Geräte lassen uns daran nicht teilhaben.

20 – 50 % Gewinn beim Kauf dieser Geräte sind üblich und wir lassen uns mit billigen Transformatoren abspeisen. Jetzt sind wir gefragt, die Verbraucher. In diesem Sinne schalten Sie Ihr iPad später lieber aus 😉

Bernhard Frohn

"Mich begeistern nachhaltige Lösungen, die langfristig alle zu Gewinnern machen. Einseitiges Wirtschaften zum kurzfristigen Nutzen weniger wird uns auf die Füße fallen. Das ist kein politisches Statement von mir, sondern ich behaupte, dass nur mit konsequenter Nachhaltigkeit langfristig unsere sozialen und wirtschaftlichen Systeme stabil bleiben werden. Die zunehmende Instabilität unserer sozialen und wirtschaftlichen Systeme sind gerade gut zu beobachten. Kann mir jemand erklären, wie in einem der reichsten Länder der Welt, nämlich in Deutschland, die Kinderarmut steigen kann? Hier ist HANDELN angesagt, wie gesagt, zum Wohle Aller und mit dem Blick in die Zukunft!"

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