Auf dass uns ein Licht aufgehe…


80 % der Informationsaufnahme funktioniert über das Auge. Licht ist also eine Schlüsselgröße des Bürogebäudes der Zukunft. Schlechtes Licht führt zum Beispiel zu angestrengtem Sehen und Ermüdungserscheinungen. Die schlechte Nachricht dabei ist , dass der Mensch hinsichtlich der Beleuchtungsstärke (Lux) sehr wenig differenzieren kann. Das bedeutet, er reagiert nicht oder zu spät, wenn das Licht für ihn störend ist. Wenn es im Büro 2 °C zu kalt ist, zieht er einen Pullover an oder dreht die Heizung höher. Wenn aber die Lichtstärke um 200 Lux geringer als gewünscht ist, dann merkt er dies gar nicht. Der Beweis dafür ist, dass das Auge bei 10 Lux und bei 20.000 Lux immer noch sehen kann. Dieses sehr große Spektrum wird durch eine Unempfindlichkeit für kleinere Differenzen erkauft.

Wenn also jetzt die Bürobeleuchtung oder das Tageslichtkonzept schlecht funktionieren, wird der Nutzer dies kaum zurückmelden. Dies ist gut für den Facility Manager, aber schlecht für den Unternehmer. Denn nachgewiesen ist, dass angestrengtes Sehen schnell ermüdet und die Arbeitsproduktivität drastisch sinkt. Es wäre also gut, wenn das Lichtkonzept dafür sorgt, dass die Beleuchtungsstärke ganztägig gleichmäßig ist.

So unempfindlich das Auge für die Beleuchtungsstärke ist, so empfindlich ist es für die Unterscheidung von Farben. Tausende von Rottönen können zum Beispiel unterschieden werden. Da unser Tagesrhythmus auch durch Lichtfarben, morgens blau und grün, abends rot geprägt ist, spielt auch die Lichtfarbe für die Arbeitsproduktivität eine Rolle. Erste Forschungen zeigen erstaunliche Resultate für die Aufnahmefähigkeit mit stimulierenden und beruhigenden Lichtfarben. Licht ist also nicht gleich Licht.

Apropos Arbeitsproduktivität. Ich schreibe es gerne häufiger in diesem Blog: Die Personalkosten pro m² Bürogebäude betragen schnell 3.000 €/m²a und die Investitionskosten betragen 2.000 €/m². Nicht nur die 1.000 €/m² sind die Differenz, sondern auch das kleine a deutet an, dass sich die Personalkosten jährlich wiederholen, was die Investitionskosten nicht tun. Ineffizienz bei der Produktivität ist daher extrem teuer und stellt jede Teuerung bei den Investitionskosten in den Schatten, um beim Thema Licht zu bleiben. Es ist daher logisch, dass das Bürogebäude der Zukunft Beleuchtungssysteme haben wird, die sich dem biologischen Rhythmus des Nutzers anpassen werden. Aktive Zeiten und Ruhepausen müssen unterstützt werden.

Dynamische Beleuchtung heißt das Zauberwort. Farbtemperatur, Lichtintensität und Lichtstimmung werden sich dem Tagesrhythmus anpassen. Der Nutzer kann darauf Einfluss nehmen und durch Identifizierung des Nutzers weiß das Büro, welcher Nutzer, welches Profil zu welcher Jahreszeit hinterlegt hat. Sie halten das für sehr kompliziert? Dann sollten Sie sich einmal auf der Zunge zergehen lassen, was Ihr Auto schon alles kann. Wir arbeiten bereits daran.

Wer Lampen und Leuchten entwickelt, der muss sich nur an dem orientieren, was die Natur uns anbietet. Die Lichtverteilung zum Beispiel ist sehr flächig und abgesehen von einem Punkt am Himmel – der Sonne – sind wir keine punktförmigen Lichtquellen gewöhnt. Daher ist alles, was flächig strahlt, gut. Licht von oben ist auch erwünscht und stimuliert die Rezeptoren in unserem Auge in ähnlicher Weise, wie es die reflektierte Strahlung aus dem Himmel vormacht. Reflexionen über weiße Decken und Wände sind daher gewünscht. Energetisch ist hier allerdings ein Zielkonflikt zu finden. Jede Reflexion hat Verluste und kostet Energie. Daher ist ein Kompromiss aus direktem und indirektem Strahlungsanteil zu finden.

Welche unglaublichen Erfolge durch dynamisches Licht erzielt werden können, zeigt eine Studie am Universitätsklinikum in Hamburg-Eppendorf. Dort wurden von 2007 bis 2008 Schüler über einen langen Zeitraum hinweg durch Lehrer, Ärzte und Psychologen betreut. Die Lernfähigkeit, das soziale Verhalten und das Aggressionsverhalten der Schüler wurden in Abhängigkeit von dynamischem Licht untersucht. Dabei konnte die Vermeidung von Fehlern um 45 % im Unterschied zu 17 % bei Normallicht verbessert werden. Die Lesegeschwindigkeit wurde sogar um 30 % gesteigert. Nach dem einjährigen Test sagten 70 % aller Schüler aus, dass sie ein solches System weiterempfehlen würden.

Licht ist also wirklich nicht gleich Licht. In diesem Sinne… es werde Licht.

Bernhard Frohn

"Mich begeistern nachhaltige Lösungen, die langfristig alle zu Gewinnern machen. Einseitiges Wirtschaften zum kurzfristigen Nutzen weniger wird uns auf die Füße fallen. Das ist kein politisches Statement von mir, sondern ich behaupte, dass nur mit konsequenter Nachhaltigkeit langfristig unsere sozialen und wirtschaftlichen Systeme stabil bleiben werden. Die zunehmende Instabilität unserer sozialen und wirtschaftlichen Systeme sind gerade gut zu beobachten. Kann mir jemand erklären, wie in einem der reichsten Länder der Welt, nämlich in Deutschland, die Kinderarmut steigen kann? Hier ist HANDELN angesagt, wie gesagt, zum Wohle Aller und mit dem Blick in die Zukunft!"

One thought on “Auf dass uns ein Licht aufgehe…

  1. Was Licht mit uns macht, bzw. zu wenig Licht, dass konnten wir sicherlich gut in den letzten Wochen nachvollziehen. Trübes Wetter führt bekanntermaßen nicht zu Motivationsschüben. Wir fühlen uns bei Sonnenschein einfach viel wohler. Unser Wohlbefinden steigt, wir haben das Gefühl, plötzlich über mehr Energie zu verfügen. Somit steigt auch in unserem Arbeitsumfeld die Leistungsfähigkeit. Wenn man das noch mit dem Thema Behaglichkeit in Bezug auf Temperatur verbindet, muss die Arbeitsproduktivität zwangsläufig steigen.

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