Das Ende der billigen Energie!


Machen Sie sich keine Sorgen! Das Ende der fossilen Energieträger werden Sie nicht erleben. Wenn Sie jetzt beruhigt sind, dann sollten Sie bitte die folgenden Zeilen lesen.

Es gibt eine grundsätzliche Eigenschaften des Menschen. Die Kirschen am Baum, die tief hängen, werden zuerst gepflückt. Erst wenn es diese nicht mehr gibt, besorgen wir uns eine Leiter und steigen in abenteuerliche Höhen, um auch noch die letzte Kirsche ganz oben in der Baumkrone zu pflücken. Best first ist die schöne deutsche Abkürzung für diesen Effekt.

Bei Energie ist dies nicht anders. Wir haben zuerst die Erdölquellen ausgebeutet, bei denen das Erdöl wenige Meter unter der Erdoberfläche zu finden war. Danach haben wir einige hundert Meter tief gebohrt, dann haben wir Erdöl in der Nordsee gefunden und dann haben wir in der Tiefsee in 6 km Tiefe erfolgreich nach Öl gesucht. Technische Meisterleistung nennen dies einige, ich sage gerne Verzweiflung dazu. Wenn Unternehmen, die mit der Erdölförderung Geld verdienen, für mehrere Millionen Euro pro Tag eine Ölplattform im Meer betreiben, dann scheint es kein preiswerteres Erdöl mehr zu geben. Es geht also bei Energieressourcen, wie bei allen Ressourcen, nicht nur darum, dass sie noch vorhanden sind, sondern auch darum, was es uns kostet, um diese abzubauen.

Kommen wir zurück zur Ressource Erdöl. Tatsächlich ist noch die Hälfte des Erdöls in der Erde vorhanden, wie das Phänomen Peak Oil schön beschreibt. Die Menschheit verbraucht zurzeit jeden Tag rund 88. Mio Fass Öl. Da sich diese Zahl niemand so richtig vorstellen kann, stellen Sie sich einfach einen Würfel mit 230 m Kantenlänge vor, der jeden Tag mit Rohöl gefüllt werden muss. Dieses Öl stammt zu ca. 40 % aus wenigen hundert Ölfeldern, die im Schnitt schon vor 50 Jahren erschlossen wurden. Hier sind vor allem die riesigen Lagerstätten im Nahen Osten, Russland und Alaska zu nennen.

Peak Oil beschreibt nun den Punkt, ab dem die Hälfte des weltweit förderbaren Öls bereits gefördert wurde und dadurch die Produktion von Rohöl nicht mehr gesteigert werden kann, da alte Felder schneller erschöpft sind als neue gefunden und ans Netz gebracht werden können. Fortschritte in der Fördertechnik haben diesen Punkt schon sehr weit hinausgeschoben, verhindern können Sie ihn aber nicht. Vor Jahren zeigte die Havarie der Bohrung der Deep Water Horizon wie immens der technische Aufwand der heutigen Off-Shore Produktion ist und das Risiken eben nicht ganz auszuschließen sind. Das im Golf von Mexiko angebohrte Macondoölfeld verfügt übrigens über eine max. förderbare Menge von rund 30 Mio. Fass. Damit ließe sich die Welt nicht einmal für 12 Stunden mit Öl versorgen.

Das meiste Öl ist in den 50er, 60er und 70er Jahren des letzten Jahrhunderts entdeckt worden. Zurzeit wird rund 3 mal soviel Öl pro Jahr gefördert, wie pro Jahr neu gefunden wird. Experten der ASPO (Association for the study of Peak Oil), einer internationalen Gruppe von Experten, die sich vor allem aus Erdölgeologen zusammensetzt, gehen davon aus, das der Punkt der maximalen konventionellen Rohölförderung schon hinter uns liegt und wahrscheinlich im Jahr 2006 war. Laut ASPO wird die Ölförderung bis ca. 2015 auf einem Plateau liegen, um dann mit ca. 3 – 5% pro Jahr zurückzugehen. Was das für den Ölpreis in der Zukunft bedeuten wird, sollte Ihnen klar sein! Auffällig ist schon heute, dass die globale Ölproduktion schon seit 2005 weitgehend gleich geblieben ist. Obwohl die Preise für Rohöl sich zwischen 2004 und 2008 vervierfacht hatten, stieg in diesem Zeitraum die Produktion nur um rund 4 %. Wäre die Ölproduktion steigerbar gewesen, hätte der gute Kaufmann dies getan.

Da ca. 90 % der Dinge des täglichen Lebens in der westlichen Welt direkt oder indirekt mit Erdöl zu tun haben, stellt dies eine massive Herausforderung dar. Diese Zahlen stammen übrigens aus einer Quelle der deutschen Bundeswehr.

Für konventionelles Erdöl gilt also zunächst die Tatsache, dass noch die Hälfte an Ressource vorhanden ist, dass aber die Lagerstätten mit immer mehr Aufwand zu erschließen sind. Weiterhin ist die zweite Hälfte deutlich mühsamer auszubeuten. Haben Sie schon einmal einen Schwamm ausgedrückt? Die erste Hälfte wird Ihnen sehr leicht fallen und die zweite wird deutlich mühsamer werden. Ein Erdölfeld ist mit einem Schwamm vergleichbar und es ist undenkbar, dass wir 100 % aus dem Feld ausbeuten können.

Diejenigen die Ihnen jetzt wieder Mut machen wollen, werden Ihnen von unkonventionellem  Erdöl zum Beispiel aus Teersand in Kanada oder von Erdgasgewinnung per Fracking berichten wollen. Die Vorräte sind tatsächlich unvorstellbar groß. Um aus Teersanden allerdings Erdöl gewinnen zu können, sind sehr hohe Temperaturen notwendig. Daher werden gerade Kernkraftwerke neben den Teersandflächen gebaut. Und zum Fracking benötigen Sie giftige chemische Substanzen, um die Energiequellen zu erschließen. Die Schildbürger lassen grüßen.

Fassen wir also zusammen. Fossile Ressourcen sind noch sehr sehr lange vorhanden. Der Aufwand und die Folgeschäden für den Abbau steigen aber so immens, dass das Ende der billigen Energie bereits begonnen hat. Die internationale Energieagentur hat im Jahr 2000 vorausgesagt, dass der Erdölpreis niemals über 40 $/Barrel steigen wird. Seit 2009 ist der Preis beinahe stabil über 100 $/Barrel. Prognosen sind immer dann schwierig, wenn sie die Zukunft betreffen (dieser Satz ist nicht von mir)!

Und was ist die Moral aus der Geschicht? Energieeffizienz und Verhaltensänderung sind zwei wesentliche Säulen für eine nachhaltige Energiewirtschaft. Welche Rolle die regenerativen Systeme hier einnehmen, folgt in weiteren Artikeln.

Bernhard Frohn

"Mich begeistern nachhaltige Lösungen, die langfristig alle zu Gewinnern machen. Einseitiges Wirtschaften zum kurzfristigen Nutzen weniger wird uns auf die Füße fallen. Das ist kein politisches Statement von mir, sondern ich behaupte, dass nur mit konsequenter Nachhaltigkeit langfristig unsere sozialen und wirtschaftlichen Systeme stabil bleiben werden. Die zunehmende Instabilität unserer sozialen und wirtschaftlichen Systeme sind gerade gut zu beobachten. Kann mir jemand erklären, wie in einem der reichsten Länder der Welt, nämlich in Deutschland, die Kinderarmut steigen kann? Hier ist HANDELN angesagt, wie gesagt, zum Wohle Aller und mit dem Blick in die Zukunft!"

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